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Pfr. Michael Winkler (evangelisch)
über: Jeremia 23, 5-8

Hamburg, am 27.11.2011
1. Advent

Liebe Gemeinde!

1837 schrieb ein Wilhelm Hey, er war Pfarrer, Superintendent und Fabeldichter in Thüringen, ein allgemeinbekanntes Weihnachtslied, das leider nicht ins heutige Gesangbuch übernommen wurde. Übrigens schrieb er auch das Lied "Weißt du wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt", das wir ja in unserem Gesangbuch finden und auch sehr bekannt ist. Ich lese uns mal kurz das Lied: Alle Jahre wieder, mal vor.

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder,
kommt das Christuskind
auf die Erde nieder,
wo wir Menschen sind.

Kehrt mit seinem Segen
ein in jedes Haus,
geht auf allen Wegen
mit uns ein und aus.

Ist auch mir zur Seite
Still und unerkannt
Dass es treu mich leite
An der lieben Hand.

Wilhelm Hey (1837) Weise: Friedrich Silcher (1842)

Ja, alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Alle Jahre wieder bedenken wir das im Advent vier (4) Wochen lang. Alle Jahre wieder, heißt demnach seit Menschengedenken. Schon zur Zeit der großen und kleinen Propheten war das bekannt. In unserem heutigen Predigttext verheißt Gott durch den Mund des Propheten Jeremia auch das Christuskind. Das glauben wir Christen. Sowohl die Lutherübersetzung als auch die Einheitsübersetzung übersetzt noch andere Bezeichnungen oder besser Hoheitstitel für unser Christuskind. So können wir es schon in der Überschrift lesen: "Verheißung eines gerechten Königs". Aber auch im Text lesen wir sie, die Hoheitstitel, wie eine Erklärung zu dem Wort "Christuskind": der gerechte Spross aus dem Hause Davids, der König, der herrscht und weise handelt und der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist.

Nun könnten wir sagen, ok, jetzt wissen wir, wer Christus ist, lasst uns nach Hause gehen und es allen erzählen. Aber vielleicht ist diese Aufforderung, es allen weiterzusagen, doch nicht so einfach? Es könnte ja ein Außenstehender oder gar ein Christenmensch selbst fragen:

1. Was heißt das denn, "der gerechte König, der herrscht und weise handelt"?
2. Was heißt das denn, Christus ist der Herr für unsere Gerechtigkeit?

Also, einfach nur aufzählen, reicht demnach nicht aus. Das muss man schon dem anderen erklären können, wenn der oder die unser Bekenntnis hinterfragt. Ja, das kann einem jeden von uns schon passieren, dass wir über diese biblischen Aussagen auch aus der Zeit des Jeremia Rede und Antwort stehen müssen.

Nun will ich nicht Eulen nach Athen tragen, denn vielleicht wisst ihr ja schon die richtigen Antworten. Aber dennoch wollen wir mal heute all diese Aussagen im Lichte des Advents nochmals bedenken. Jeder weiß, dass Advent Ankunft heißt, und jeder weiß auch, wir unseren Herrn nicht jedes Jahr neu erwarten müssen, denn seit Ostern und Pfingsten wohnt er bereits mitten unter uns. Diese Erkenntnis haben wir vom Tröster, dem Heiligen Geist. Demnach heißt Advent nicht, dass wir alle Jahre wieder auf das Christuskind warten, sondern dass wir uns im Advent daran erinnern, was es heißt, dass das Christuskind bereits von Anbeginn der Welt lebt und dass es schon vor 2000 Jahren in die Niedrigkeit dieser Welt kam in dem Jesuskind in der Krippe.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Väter des Gesangbuches, dieses Lied von Wilhelm Hey, "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" nicht in unser Gesangbuch aufnehmen wollten, es sei denn Wilhelm Hey hat es ganz anders gemeint. Vielleicht hat er als lutherischer Pfarrer auch das so gemeint?

Advent ist ein wiederholtes Erinnern an das Christuskind, ein Erinnern, das sowohl in aller Öffentlichkeit, vor aller Augen und Ohren, als auch in der Stille vollzogen wird. Nicht umsonst nennt man die Adventszeit auch die erste Fastenzeit im neuen Kirchenjahr.

Doch kommen wir nochmals zu den Hoheitstiteln. Wir Christen glauben, dass in dem Jesus von Nazareth der gerechte König in diese Welt gekommen ist und dass er bereits seit dieser Zeit bis in alle Ewigkeit herrscht und weise handelt als der Herr für unsere Gerechtigkeit.

Doch was heißt denn Christus, der gerechte König? Jesus sagt doch bei seinem Verhör vor Pilatus: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Das ist natürlich richtig. Richtig ist aber auch, dass seine Gerechtigkeit etwas damit zu tun hat, was wir an Karfreitag, Ostern und Pfingsten erfahren haben. Er ist für unsere Sünden ans Kreuz gegangen und Gott hat sich dadurch mit uns versöhnt, hat alle Sünde ein für alle Mal getilgt. Und weil Gott ihn nicht im Tod gelassen hat, sondern ihn in der Auferstehung wieder lebendig gemacht hat, was die Emmausjünger und die Jünger und viele tausend andere Menschen damals bezeugt haben, dem Christuskind, dem gerechten König, von Gott alles unter die Füße gelegt worden. Und übrigens, gerecht steht hier dafür, dass das Christuskind ohne Sünde war und ist. Es bedurfte nicht der Versöhnung mit seinem Vater, mit Gott.

Dafür hat er ja all unsere Sünde und Schuld mit aufs Holz getragen, wie es der Apostel Petrus schreibt. Das ist das Wunderbare des Advents, dass wir in aller Demut und Buße, sprich in dieser Fastenzeit, uns daran erinnern lassen, wie sehr uns Christus zur Gerechtigkeit vor Gott, dem Allmächtigen, geworden ist. Er tritt für uns ein vor Gott als der gerechte Spross aus dem Hause Davids. Als der gerechte König des Himmels und der Erde hat er den Sieg für uns erfochten, damit wir gerecht seien vor unserm Gott. Das ist nun keine graue Theorie oder gar eine allzu hohe Schule einer modernen Theologie, sondern ganz schlicht und einfach Gottes Wort, dass uns der Heilige Geist in der Adventszeit wieder und wieder verdeutlichen will. Aber in dem Verdeutlichen steckt auch die Erkenntnis, dass wir in einem neuen Leben schon hier und jetzt wandeln und damit, lassen wir uns auch heute am 1. Advent in der Epistel von Paulus mahnen:

8 Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

Oder auch diese Verse in dieser Epistel:

11 Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.
12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
13 Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht.
14 Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen.

Ja, dort herrscht der gerechte König der Ehren weise und zu unserer Gerechtigkeit,

- wo wir Liebe üben gegenüber jedermann und am meisten, wie Paulus sagt, an unseres Glaubens Genossen,

- wo wir uns von Christus immer wieder wecken lassen, damit wir in der Kraft Gottes verbindlich als Christen vor aller Augen und Ohren mit der Liebe in Christus authentisch leben,

- wo wir als Christen ablegen die Werke der Finsternis, die da sind Ungerechtigkeit, Egoismus, Lieblosigkeit, usw. und dafür die Waffen des Lichtes anlegen, die Paulus in seinem Brief an die Galater beschreibt: (Galater 5, 22 + 23)
"Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut, Keuschheit; als Christen ehrenhaft leben, ...",

- wo wir als Christen ehrenhaft leben "... ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht." und

- wo wir das neue Gewand unseres Herrn Jesus Christus angelegt haben, dass in jedem Falle schöner ist als Salomoni`s Seide.

Und da wir in allem im Laufe eines Jahres immer wieder nachlassen, ist uns der Advent verordnet, wo wir als Christen im Allgemeinen und im Besonderen wieder ein Stück zur ersten Liebe zurückgeführt werden, die da heißt Jesus Christus, der gerechte König der Ehren, der für unsere Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, gesorgt hat, damit wir Gottes Kinder heißen dürfen, die immer wieder ein Licht anzünden wollen, wo die Finsternis regiert.

Und sollte nun einer sagen, das schafft doch keiner in aller Gänze, dann sei ihm gesagt, wen Gott zu seinem Kind und Erben gemacht hat, den erfüllt er auch immer wieder mit der Kraft aus der Höhe, damit das Kind wieder aufstehen kann, wenn er oder sie gefallen sind.

Letzteres kann, wie wir wissen in dieser Welt immer wieder passieren. Ja, das ist die Botschaft für diesen und jeden Advent, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe und sein bzw. ihr Licht nicht unter den Scheffel stellt, sondern auf einen hohen Berg, damit es scheint in die Finsternis, die, wie wir es selbst immer wieder am eigenen Leibe auch spüren, dringend unseres Lichtes in Christus bedarf.

Es ist leicht zu verstehen, das ein heller und zielorientierter Weg nicht in die Irre führen kann, sondern für uns Christen zu dem hin, dem alles unter die Füße gelegt ist, unserm Herr und Heiland Jesus Christus. Deshalb macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, und er ist schon gekommen, seht ihr es nicht?

Amen.

© Michael Winkler 2011

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