Samstag, der 25. Oktober 2014
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Pfr. Ralf Krust (evangelisch)
über: 1. Johannes 3, 1-6

Hardheim (bei Würzburg (Neckar-Odenwald-Kreis)), am 25.12.2011
1. Weihnachtsfeiertag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Amen.

(Predigttext)

Herr, schenke Reden, Hören und Verstehen durch deinen Heiligen Geist. Komm Heiliger Geist.

Amen.

Liebe Gemeinde,
wenn es ein christliches Markenzeichen gibt, einen inneren Kern von Weihnachten, dann ist es: "Gott wird Mensch." Aus der himmlischen Herrlichkeit in eine einfache Futterkrippe hinein hat Gott seinen Sohn Jesus Christus Mensch werden lassen. Hier liegt die Mitte der christlichen Botschaft, die allen anderen Religionen fehlt: In dem Menschen Jesus Christus betritt Gott selbst die Bühne des Weltgeschehens. Er kommt um uns seine göttliche Liebe zu zeigen und uns von unserer Schuld zu befreien.

Halten wir zu Beginn das Entscheidende fest: Gott kommt in diesem Kind in unsere Welt.

In diesem wundersamen Tausch wird Gottes Liebe deutlich. Gott wird ein Kind, damit wir durch den Glauben zu seinen Geschwistern werden, zu Kindern Gottes und ihm ganz nahe kommen. Aus der Kindwerdung Gottes folgt unsere Gotteskindschaft. Seine väterliche Liebe macht uns zu geliebten Kindern, zu Schwestern und Brüdern in Jesus Christus.

Damit wir das recht begreifen können, was da passiert an Weihnachten und was das mit der Liebe Gottes zu tun hat, will ich ein Erlebnis eines Vaters erzählen, das sich wirklich so zugetragen hat:

"Es war kurz vor Weihnachten. Ich machte Krankenbesuche und stand am Bett einer Frau, die Krebs hatte und nicht lange danach gestorben ist. Ich erzählte ihr, dass ich in meiner Familie Kummer hätte, weil einer meiner Jungen ein Zeugnis nach Hause gebracht habe, das weit unter seinen Fähigkeiten liege. Er sei ganz faul gewesen. Ich hätte meinem Jungen gesagt: 'Mit diesem Zeugnis hast du dich um die Erfüllung deines Weihnachtswunsches gebracht; denn ich kann deine Faulheit natürlich nicht mit einem wertvollen Weihnachtsgeschenk belohnen. Du bekommst also das heiß gewünschte Fahrrad nicht.'

Als ich das der Kranken erzählte, sah sie mich groß an und sagte: 'Wie, Sie wollen den Jungen zu Weihnachten bestrafen? Will uns denn das Weihnachtsfest nicht gerade klarmachen, dass Gott uns ganz unverdient mit seiner Güte beschenkt hat, und soll Sich diese unverdiente Güte nicht auch in den Geschenken widerspiegeln, die wir unseren Kindern geben? Bestrafen Sie Ihren Jungen, wann und wie Sie meinen, es tun zu müssen, aber nicht zu Weihnachten.'

Der Weihnachtsabend kam heran, Wir hatten unserem Jungen nur eine Reihe von kleineren Gaben auf den Tisch gelegt. Unter seinen Weihnachtsteller aber hatte ich ihm einen Zettel geschoben, auf dem die Worte standen: 'Unverdienterweise ein Fahrrad'.

Nach der Familienfeier unter dem Lichterbaum kam die Bescherung. Jedes von den Kindern ging an seinen Tisch. Unser Bernhard sah sich seine Sachen an; aber nichts konnte ihn besonders fesseln. Man merkte es ihm an, dass das Hauptgeschenk fehlte. Ich sagte ihm: 'Hast du nun alles gesehen?' 'Ja'. 'Ich glaube nicht, sieh dich doch einmal gründlich bei deinen Sachen um'. Er warf noch einmal einen Blick auf seine Sachen: 'Ich habe alles gesehen.' 'Nun, dann hebe einmal deinen Weihnachtsteller hoch!' Er tat es und fand den Zettel. 'Geh einen Augenblick in das Nebenzimmer und lies, was darauf steht.' Ich ging langsam hinter ihm her. Ich sah, dass beim Lesen starke Gefühle durch ihn hindurchgingen. Er kam mir entgegen und sah mich strahlend an: 'Vater!' Er sagte nur das eine Wort, aber in diesem Wort lag die ganze Seligkeit seines Herzens. Er fiel mir um den Hals.

Sein heißer Wunsch war erfüllt. Dann holten wir gemeinsam das Fahrrad, das irgendwo versteckt worden war. - Das nächste Zeugnis war besser. Was unverdiente Liebe Gottes ist, habe ich an jenem Abend gelernt."

Liebe muss nicht begründet werden. Wenn ein junger Mann zu einer jungen Frau sagt. "Ich liebe dich", dann fragt sie nicht zurück: "Warum?" sondern hoffentlich "Ich liebe dich auch". Gott liebt uns unverdient, aber wir müssen diese Liebe ergreifen und festhalten. Wenn der Bernhard nicht den Teller umgedreht und den Zettel gelesen hätte, dann hätte er die unverdiente Gnade nicht erfahren. Wenn die Frau die Liebe des Mannes nicht erwidert, dann geht die Beziehung wieder auseinander. Wenn wir das Kind aus der Krippe nicht in unser Herz aufnehmen, werden wir die unverdiente Liebe Gottes nicht erfahren. Doch wenn wir diesem Kind unsere Liebe und unser Herz geben, werden wir von Geschöpfen zu Kindern Gottes.

Neben der göttlichen Liebe, die uns durch dieses Kind aus dem Stall entgegen weht, müssen wir aber, so lesen wir es hier, auch von unserer Schuld sprechen. Kann der Pfarrer nicht einmal aufhören von Schuld zu sprechen, muss das denn sein an Weihnachten?

Ja, es muss sein, denn nur dann kann ich auch von der Freude sprechen. Die Engelsingen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr." Freude gibt es nur, weil der Retter von Schuld gekommen ist. Weil so viele diesen ersten Teil weglassen, darum gibt es bei uns so wenig Freude.

Mit Weihnachten haben die ganz persönliche Schuldenrettung und die der ganzen Welt ihren Anfang genommen. Es gibt wichtigeres als die Euro-Krise und die Bankenrettung. Wir sehen derzeit wie die Schulden den Staaten die Freiheit nehmen und die Politiker von einer Baustelle in die andere flüchten. Die politische Schuldenkrise ist gerade deswegen unlösbar, weil niemand die Schuld dafür auf sich nimmt, und zwar im doppelten Sinn. Niemand ist für das Fiasko der Staaten und Banken verantwortlich und niemand will dafür bezahle. Genauso verstricken wir Menschen uns in Schuld und versuchen immer aufwendiger sie zu verstecken. So wird auch unser persönliches Leben immer unfreier. Weihnachten ist das Angebot Gott sich seiner Schuld zu stellen, weil ein wahrhaftiger Retter gekommen ist. So wird unsere persönliche Schuldenkrise gelöst. Was das bedeutet will ich mit einer kleinen Geschichte erzählen:

"Als ich dieses Jahr meine Krippe und die fünf Weihnachtsengel wieder einpackte, behielt ich den Letzten in der Hand. 'Du bleibst', sagte ich. 'Ich brauche ein bisschen Weihnachtsfreude für das ganze Jahr.' 'Da hast du aber Glück gehabt', sagte er. 'Wieso?', fragte ich ihn. 'Na, ich bin doch der einzige Engel, der reden kann.' Stimmt! Jetzt erst fiel mir auf: ein Engel, der redet? Da hatte ich wirklich Glück gehabt. 'Wieso kannst du eigentlich reden? Das gibt es doch gar nicht!' 'Doch, das ist so: Nur wenn jemand nach Weihnachten einen Engel zurückbehält, nicht aus Versehen, sondern wegen der Weihnachtsfreude - wie bei dir -, dann können wir reden. Aber es kommt ziemlich selten vor. Übrigens, ich heiße Heinrich.' Seitdem steht Heinrich in meinem Wohnzimmer im Regal. In den Händen trägt er seltsamerweise einen Müllkorb.

Heinrich steht gewöhnlich still an seinem Platz, aber wenn ich mich über irgendetwas ärgere, hält er mir seinen Müllkorb hin und sagt: 'Wirf rein!' Ich werfe meinen Ärger und meine Schuld hinein - weg ist er! Manchmal ist es ein kleiner Ärger: wenn ich zum Beispiel meine Brille verlegt habe oder meinen Haustürschlüssel nicht finde. Es kann aber auch eine größere Schuld sein oder eine Not, ein Schmerz, mit dem ich nicht fertig werde. Eines Tages fiel mir auf, dass Heinrichs Müllkorb immer gleich leer war. Ich fragte ihn: 'Wohin bringst du das alles?' 'In die Krippe', sagte er. 'Ist denn so viel Platz in der kleinen Krippe?' Heinrich lachte. 'Pass auf: In der Krippe liegt ein Kind, das ist noch kleiner als die Krippe. Und sein Herz ist noch viel kleiner. Deinen Kummer lege ich in Wahrheit gar nicht in die Krippe, sondern in das Herz des Kindes. Verstehst du das?' Ich dachte lange nach.

'Das ist schwer zu verstehen. Und trotz dem freue ich mich. Komisch, nicht?' Heinrich runzelte die Stirn. 'Das ist gar nicht komisch, sondern das ist die Weihnachtsfreude. Verstehst du?' Auf einmal wollte ich Heinrich noch vieles fragen. Aber er legte den Finger auf den Mund. 'Pst', sagte er, 'nicht reden. Nur sich freuen!'" (nach Dietrich Mendt)

Die Sache mit der Schuld macht mir keine also Angst mehr, sondern weil sie durch Jesus vergebene Schuld ist, weil sie in das Herz des Kindes in der Krippe gelegt ist, kann ich mich seit Weihnachten wieder freuen. Bringe Deine Schuld auch zum Kind in der Krippe und freue Dich mit mir.

Amen.

© Ralf Krust 2011
http://www.kirche-eisingen.de

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