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P. Peter von Geisau (katholisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugHamburg, am 02.06.1996 (Marienkrankenhaus) Trinitatis |
IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES.
Wenn Christen sich zum Gottesdienst versammeln, beginnen sie in der Regel mit diesen Worten. Christen drücken mit diesen Worten das unbegreifliche Geheimnis Gottes aus. Sie sagen: Er ist dreifaltig. "Der eine Gott in drei Personen" - eine theologische Formel, die sich in der Kirche erst langsam herausgebildet hat.
Aber das Bekenntnis zum "einen Gott in drei Personen" ist durch die vielfältigen Erfahrungen der Menschen mit Gott, die in den Erzählungen des Alten und Neuen Testamentes ihren Niederschlag gefunden haben, vorbereitet und gedeckt. Bekenntnisformeln bleiben immer unzulänglich. Man muß sich auf die Suche nach Erfahrungen machen; mit ihnen, den eigenen und denen von anderen Menschen, wenn man sie nachvollziehen kann, werden auch Formeln sprechend.
Niemand macht Erfahrungen im luftleeren Raum; immer schon haben Menschen vor ihm Erfahrungen gemacht und benannt, so auch Glaubenserfahrungen. Wer sich auf die Suche macht, wird auch schauen, wie Menschen vor ihm gesucht, was sie erfahren und weitergegeben haben. In der großen Tradition von Juden und Christen ist uns das Glaubenszeugnis von Menschen überliefert, nicht in starren Formeln, sondern in vielfältig bunter Form, in einer lebendigen Fülle, die keine Formel je umfassen kann.
Drei große Erfahrungsbereiche finden sich in diesem Glaubenszeugnis: - die Erfahrung des Volkes Israel, das sich gerufen und geführt erfahren hat von seinem geheimnisvollen Gott; das nach Irrwegen immer wieder erfuhr: Er ist für uns da; er führt zum Leben, Widersetzlichkeit gegen ihn zu Unordnung und Tod; dann ebenso Erfahrungen einzelner Menschen, die in der Gewißheit lebten: Gott ist da, wo ich bin, in ihm kann ich getrost leben und sterben - die Erfahrung eines geheimnisvollen tragfähigen Urgrundes - dann die Erfahrung von Menschen, daß eine erstaunliche Kraft in ihnen wirkt, die sie überkommt und zu Einsichten und Taten bewegt, die menschliche Kraft übersteigen, Gottes lebensschaffender Geist - die Erfahrung einer inneren Kraft - schließlich die ganz konkreten Erfahrungen mit Jesus von Nazareth, in dem Gottes Gedanken über das Leben leibhaftige Gestalt angenommen haben; Menschen erkannten: So ist Gott, an Jesus läßt sich Gottes Liebe hautnah erfahren, an seinem Sich-Niederbeugen zu den Geringen, an seinen aufrichtenden Gesten, darin, wie er Not und Bedürftigkeit wahrnimmt, wie er hilft, darin, wie er mitleidet bis zur Hingabe seines Lebens - die Erfahrung von leibhaftiger Gottesnähe.
Was bekennt der christliche Glaube? Daß diese drei Aspekte - geheimnisvoller Urgrund, Innerlichkeit, Leibhaftigkeit - untrennbar zusammengehören, daß sich in diesem Dreiklang das Geheimnis Gottes erschließt.
Um es noch einmal zu sagen: - daß da nicht nur "etwas Höheres ist, was es geben muß", sondern der lebensbejahende Gott, väterlicher und mütterlicher Urgrund, dem ich vertrauen kann; - daß da nicht nur eine unbestimmte gute Macht im Menschen wirkt, sondern Gottes lebenschaffender Geist, der gegen alle Todesmächte durch mich wirken will, sein Heiliger Geist, dem ich mich öffnen und verweigern kann; - daß da einer ist, der wie kein anderer von Gott kommt, der unüberbietbar den Weg gezeigt hat, der zum Leben führt, jetzt und über den Tod hinaus; nicht ein hervorragender Mensch nur, dessen Vorbild aufzugreifen lohnt, sondern "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Johannes 14, 6).
Christen bekennen solche Lebensfülle von Gott, Gottes Leben als dreifach entfaltet in ungetrennter Einheit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wenn jemand sich dazu bekennt, dann kommen diese drei Seiten Gottes zum Klingen: Gott ist mein Ursprung und Ziel. Ihm verdanke ich mich; ihm vertraue ich, der mein und aller Leben in Liebe gelingen lassen und vollenden will. Er ist uns dafür leibhaftig nahe gekommen in Jesus von Nazareth, seinem Sohn, in dem er gezeigt hat, wie er ist: liebend, barmherzig, helfend, heilend, verzeihend, mitleidend.
Von diesem Gott will ich mich bewegen lassen zur Nachfolge Jesu, seines Geistes Kind kann und will ich sein in dem Glauben, daß "Gottes Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist". (Römer 5, 5)
Wohl dem, der in Freiheit dankbar, staunend und vertrauend sagen kann:
IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES.
AMEN.
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