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Pfr. Mark Meinhard
über:
kein konkreter bibl. BezugMarktheidenfeld (bei Würzburg), am 22.06.2003 (Hafenlohrtal) Besondere Gemeindesituation |
9. Ökumenische Wallfahrt zur Bewahrung der Schöpfung im Hafenlohrtal
2. Station: der Bach
Als Christen tun wir gut daran, uns für die Schöpfung einzusetzen: macht euch die Erde untertan, heißt ja nicht, sie zu unterjochen und auszubeuten, sondern ganz in dem Dasein als Ebenbild Gottes, das uns ja zugesagt wurde, sie zu bewahren und verantwortlich mit ihr umzugehen. Wir folgen heute drei Stationen und lassen uns ansprechen und inspirieren von den Bildern und den Gedanken, damit wir in der Welt unseren Beitrag leisten können als Bewahrer der Schöpfung.
Wir stehen hier an einem Bach und angesichts der Hitze der letzten Tage kommt uns spontan vieles in den Sinn: Erfrischung und Kühle - lebenserhaltende Kraft, Geborgenheit und Ruhe vom Alltag. Ich lade sie nun ein, den biblischen Bildern zum Thema "Bach" zu folgen und ihnen Raum zu geben in ihrem Leben.
a) Zunächst finden wir das Naheliegende, das, was auch Sie sofort sehen können, wenn wir einen Bach wie diesen erblicken: sein Wasser trägt zum Überleben bei und zwar so notwendig, so elementar, dass sein Fließen und Strömen zum Sinnbild für den Gerechten werden kann: Elia (1. Könige 17, 4), der verfolgte Prophet, einer der letzten, der für seinen Gott aufgestanden ist und Widerspruch gegeben hat gegen die Vergötzung von Gottes Schöpfung findet Ruhe an einem Bach: dort will er schon aufgeben und sterben: großer Gott - nimm mein Leben von mir, denn zu schwer will mir die Last erscheinen, die du mir aufgebürdet hast. Aber Gott lässt ihn nicht fallen: das Notwendige fließt neben ihm - lebenserhaltendes Wasser für den Gerechten. Raben aus der Luft bringen ihm Brot und ein Engel Gottes die befreiende Botschaft.
Dieses beständige Fließen des Wassers soll ihn ermahnen, in seinem Bemühen, Gott nachzufolgen, standhaft zu bleiben: sich nicht aufhalten zu lassen - sich selbst nicht aufgeben. Beständig, stetig und beharrlich soll der Fluss sein, in dem sich der Gerechte seinem Gott hingibt. Der Prophet Jeremia (Jeremia 17, 8) und der erste Psalm (Psalm 1, 3) preisen diese Menschen, denn sie sind wie ein Baum gepflanzt an Wasserbächen! Wie sieht es in unserem Leben aus: sind wir als Christen auch gepflanzt an solch einem Bach oder stehen wir nur an einem trüben Tümpel, weil wir schon aufgegeben haben in unserem Leben?
b) Stehen wir aber wie ein Baum an einem solchen Bach des Glaubens und vertrauen wir Gott, dass er unser Leben erhalten will - ja glauben wir an den Höchsten, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, dann fließt durch unsere Adern wie durch die Wurzeln dieses Baumes eine Kraft in unser Leben, die uns mehr ermöglicht, als wir es aus uns selbst heraus würden tun können. David (1. Samuel 17, 40) ging an einen Bach und wählte fünf glatte Steine, die durch seine Schleuder optimal fliegen werden, den übermächtigen, gefährlichen und hochgerüsteten Feind zu fällen. Dass unser Kampf in den alltäglichen Geschehnissen dieser Welt nicht sinnlos sein muss, beweist uns diese Geschichte von David und Goliath. Auch der Einsatz für das Hafenlohrtal, seit nunmehr 25 Jahren, ist nicht umsonst geblieben.
Weil wir Christen Salz der Erde und Licht der Welt sein sollen, können wir nicht schweigen, wenn Ungerechtigkeit geschieht. Trauen wir uns noch, die glatten Steine aus dem Bach zu holen, wenn es darauf ankommt?
c) Das Christentum steht immer in der Gefahr lau zu werden, weil der Mensch bequem ist und sich dort einrichtet, wo es ihn hinverschlagen hat. Auch wir sind davor nicht gefeit und jeder von uns tut es auf seine Weise: der Fromme in seinem Fromm-Sein; der Umweltaktivist in seinem Engagement für die Umwelt; der Atheist in seiner Selbstrechtfertigung der Gottesleugnung. Schon die alten Propheten wussten darum. Amos ruft uns zu: ich hasse eure Gottesdienste - tu weg von mir das Geplärr eurer Lieder! Harte Worte, die uns auffordern, umzukehren und uns zu besinnen: was ist denn das Eigentliche, an das wir uns halten sollen? Amos (Amos 5, 24) beschreibt es mit dem Bild unseres Baches: es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Recht und Gerechtigkeit aber sind in der Bibel niemals starre Begriffe, sondern sie zeigen lebendige Beziehung an.
Wenn Christen miteinander als Christen leben wollen, dann müssen sie ihr Tun an diesen Beziehungen orientieren! Stimmt also mein Tun, mein Engagement, mein Handeln in der Welt mit der Rücksichtnahme auf den Nächten überein? Erfülle ich nicht nur starr ein Programm, sondern habe noch den lebendigen Blick zu meinem Mitmenschen?
All das, liebe Hafenlohrtalwallfahrtsgemeinde mag uns anregen, wenn wir unseren Bach hier betrachten und ihn versuchen, aus Gottes Blickwinkel zu würdigen.
Amen.
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