Samstag, der 20. Dezember 2014
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Lek. Willy Krüger (evangelisch)
über: kein konkreter bibl. Bezug

Osnabrück, am 20.12.2003 (Lutherkirche)
Sonstige Ansprache

Begrüßung

Gottes Friede sei mit uns allen.

Von Martin Luther gibt es die kleine Episode, dass er - zermürbt von den vielen erfolglosen Gesprächen des Tages – niedergeschlagen und freudlos am Abend zu seiner Familie zurückkehrt.

Die schlechte Laune des Reformators beginnt sich auch auf die Hausbewohner zu übertragen.

Als er die Hände zum Tischgebet falten will, fragt ihn seine Frau Käthe:
"Wo ist dein Gott, zu dem du da betest?
Du hast deinen Gott verloren.
Wer ohne Freude ist, ist auch ohne Gott!"

Nun werden auch wir Situationen kennen, meine Lieben, in denen es uns schwer fällt, eine positive Haltung zu bewahren. Auch bei uns gibt es Momente, in denen uns der Sinn einfach nicht nach Freude und Heiterkeit steht.

Gerade in der Vorweihnachtszeit wachsen die Ansprüche an mich selbst und andere:
Wird zum Fest alles rechtzeitig fertig?

Hab' ich an alles gedacht?
Stimmt der festliche Rahmen?
Reichen die Geschenke?

Diese und andere Fragen beschäftigen uns in diesen Tagen. Wir spüren: Die Erwartungen an die Familie und in der Familie sind niemals so hoch wie zu Weihnachten.

Lassen Sie uns jetzt und hier zur Ruhe kommen von all diesen Sorgen, Gedanken und unnötigen Plagen.

O Heiland, reiß die Himmel auf das Bild von Beate Heinen, soll uns ein wenig beschäftigen in der letzten Andacht hier für das Jahr 2003.

Und so lassen Sie uns diese Andacht feiern im Namen des Gottes, der diese Erde geschaffen hat, der zu uns sprach in Jesus Christus - und dessen Geist uns nahe ist in allen Dingen.

Amen.

Freude fällt uns nicht in den Schoß, auch nicht die Weihnachtsfreude. Gewohnheit, Enttäuschungen, Sorgen verdüstern oft den Schein der Freude, der auch an diesem Tag aufleuchtet. Das Leid der Welt bedrückt uns.

Wir haben es nötig, aufgerüttelt und an den tiefsten Grund aller Freude erinnert zu werden. So singen wir:

G.: Kyrie Eleison

Dass Gott selbst in Jesus Christus in unsere Welt gekommen ist und auch heute noch kommt, ist der tiefste Grund aller Freude. Deshalb dürfen wir uns in diesem Herrn freuen und alle andere Freude dadurch bestimmen lassen.

Was könnte uns freudiger stimmen?
Wie könnten wir anders antworten, als Gott darüber zu loben?
Gemeinsam singen wir:

G.: Kyrie Eleison

Lasst uns beten:
Vater im Himmel,
stimme du selber uns durch dein Wort
auf die große Freude ein, die Weihnachten bedeutet.
Lass alles zurücktreten,
was diese Freude unterdrücken
und entwerten könnte.
Verstärke unsere Freude,
indem wir sie in der Gemeinschaft
dieser Andacht erfahren,
sie miteinander teilen und anderen mitteilen,
andere damit anstecken.
Hilf du uns Türen und Tore zu öffnen,
Mach uns offen für dein Wort.

Amen

Wir singen.
Ehr sei dem Vater

Bild: "O Heiland, reiß die Himmel auf..."

"O Heiland, reiß die Himmel auf ...", so hat die Künstlerin Beate Heinen dieses Weihnachtsbild genannt.

Lassen sie uns ein paar Minuten bei diesem Bild verweilen.

Uns fallen sofort die vielen gesichtslosen Menschen auf, die wie von einem Sog gezogen dahinhasten, voraneilen und zugleich wie von einer unsichtbaren Macht getrieben werden.

Ob sie wohl noch für irgendetwas Zeit haben?
Ob sie wohl noch Zeit zum Innehalten haben, zum Nachdenken?
Oder zerrinnt ihnen die Zeit zwischen den Händen?

Wie gebannt sehen die meisten einfach vor sich hin, so als gäbe es nichts mehr als nur den eingeengten, schmalen, eigenen Blickwinkel.

Können wir uns in diesen Menschen bereits wiederfinden?

Ob wir bereits hier schon Ähnlichkeiten entdecken, wie auch wir durchs Leben hasten, durchs Leben geschoben werden, manchmal mit dem Gefühl, dass man dabei das Wesentliche immer wieder verpasst?

Eine namenlose Masse schiebt sich da vorwärts:

Jeder und jede scheint für sich zu sein – einsam inmitten des Umtriebes der vielen Menschen – so als hätte niemand ein Ziel vor Augen. Und doch wissen wir, dass auch mitten in der Masse jeder Mensch einmalig ist.

Wir gehören ja selbst auch dazu:

keine ist wie die andere, keiner gleicht dem anderen. Und allen, auch den namenlosen und gesichtslosen Menschen um uns herum ist mit uns gemeinsam, dass wir alle doch stets umgetrieben sind von der Sehnsucht nach Wärme und Liebe und Freude am Leben.

Jeden von uns treiben Ängste um und jeder von uns hat mit manchen dunklen Seiten und seelischen Abgründen zu kämpfen.

Aber, dieses Bild will jetzt auch sagen, dass mitten in diesen eher dunklen Alltagsstrom, der uns mitreißt, immer wieder auch ein Lichtstrahl hineinbricht.

Mit anderen Worten:

Die Nacht deckt nie alles zu, sie ist begrenzt, die Finsternis hüllt nie alles ein.

Ein kleiner Schimmer Hoffnung liegt über diesen Menschen, liegt bestimmt immer auch über uns.

Auch über uns flackert immer die Hoffnung, dass keiner von uns aufgegeben ist.

Es gibt einen über uns, aus dessen Hand wir nicht fallen können. In der Mitte des Bildes öffnet sich ein lichtgoldener Spalt.

Ein Mann, eine Frau, ein Kind ziehen in diesem Strom mit.

Und sie bringen in dieses umtriebige Geschehen nun Ruhe hinein.
Wir nehmen ein Innehalten mitten in dieser Alltagsstrombewegung wahr.

Da ist etwas, was diesen Strom aufhält.
Und genau das ist es, meine Lieben.

Wir sollen aufgehalten werden, sollen innehalten und aufschauen, aufschauen auf das Wesentliche, die Blicke von uns weglösen, denn an Weihnachten reißt der Himmel einen Spaltbreit weit auf.

Mitten in der Nacht, mitten in die Dunkelheit unserer Herzen und Gefühle hinein geschieht das Heil:

Christus wird geboren.

Dieses Bild hier drückt es ja geradezu aus:

Die Geburt Jesu findet nicht neben uns sondern mitten in unserer Welt statt.

Sie überdeckt nicht alles.

Sie überdeckt nicht unsere Realität von mancherlei Leid und Sinnlosigkeit, im Gegenteil:

diese Realität ist auch zu einem Teil im Leben Jesu geworden.

Aber gerade deswegen, weil das Leben Jesu immer auch davon überschattet wurde, können wir uns diesem Jesus nahe fühlen, uns in ihm wiederfinden und spüren:

Er ist einer von uns.
Er weiß, wie tief uns manchmal das Leben hinunterziehen kann.

Mitten in diese Welt hat Gott seinen Sohn gesandt, damit wir schon heute unser Leben in einem anderen Licht sehen. So geht jetzt wie auf dem Bild auch heute und morgen und auch an und nach den Weihnachtsfeiertagen alles seinen gewohnten Gang weiter.

Aber ich stelle mir vor, dass die Menschen, die durch diesen goldenen Schein durchgegangen sind, die all das bemerkt haben, die sich haben ansprechen lassen, wie der Himmel sich auch über ihrem Leben bereits aufgerissen hat, dass diejenigen ein Stückweit bereits anders weitergehen können, eben mit der Gewissheit, dass der Himmel aufgerissen ist und unser Leben nicht irgendwie und nicht irgendwohin und auch nicht sinnlos und rastlos weitergeht sondern allein auf Gott zu.

Und der wird auch immer wieder seine Liebe, seinen Frieden, sein Heil in unserem Leben aufleuchten und uns zur Ruhe kommen lassen. Gott gebe uns dafür wachsame Augen, dass uns das Licht der Welt, das uns mit Christus geschenkt worden ist, an jedem Morgen, wenn wir die Fenster aufmachen und rausschauen, auffällt.

Dieses Licht will auch in unsere Herzen scheinen.

Amen

Segen

Gott schenke dir einen gesegneten 4. Advent.
Gott gebe dir Ruhe und Besinnung
zur Vorbereitung auf das große Fest.

Gott lasse dich ein gesegnetes Weihnachtsfest erleben.
Gott schenke dir die nötige Aufmerksamkeit, damit du dich
auf Weihnachten und die frohe Botschaft einlassen kannst.

Gott nehme dir Sorgen und Angst
und schenke dir neue Hoffnung.

Gott bereite dir den Raum,
den du brauchst und an dem du so sein kannst, wie du bist.

Gott schenke dir die Fähigkeit zum Staunen
über das wunder der Geburt im Stall von Bethlehem.

Gott mache heil was du zerbrochen hast
und führe dich zur Versöhnung.

Gott gebe dir Entschlossenheit, Phantasie und Mut,
damit du auch anderen Weihnachten bereiten kannst.

Gott gebe dir Einfühlungsvermögen
damit du Geschenke wahrnehmen und dankbar annehmen kannst.

Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht,
und führe dich in ein gesegnetes neues Jahr.

So segne dich Gott
und er schenke dir seinen Frieden.

Amen.

© Willy Krüger 2003
http://willykrueger.de/

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