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LaBi. Margot Käßmann (evangelisch)
über:
1. Mose 25, 0Hannover, am 07.11.2001 Morgenandachtsreihe im NDR: "Kinder, Kinder..." |
Schon die Bibel kennt die Mühen mit Zwillingen. Da sind zwei, die bereits vor der Geburt so heftig miteinander kämpfen, dass ihre Mutter fast verzweifelt. Und dann: lang ersehnt von den Eltern wachsen sie unter geborgenen Umständen auf. Aber, wie das so ist: Die Eltern haben je einen Favoriten. Es heißt:
"Und Isaak hatte Esau lieb und aß gern von seinem Wildbret;
Rebekka aber hatte Jakob lieb." (1. Mose 25, 28)
Ja, da ist sie wieder, die Geschwisterliebe einerseits und die Elternliebe andererseits. Jakob und Esau werden sich entsetzlich entzweien, der eine wird den anderen um sein Erbe betrügen. Von wegen Geschwister-liebe!
Zwillinge sind etwas besonderes. Wie viele Menschen haben Spaß daran, zwei gleiche rosa Strampelanzüge, zwei gleiche T-Shirts zu schenken! Und wie viele Zwillingspärchen sind zu sehen, die täglich gleich angezogen zur Schule gehen. Wer sucht da eigentlich morgens die Kleidung aus? Was, wenn der eine nicht die blaue Hose anziehen will, sondern die grüne? So niedlich und natürlich auch auffallend das aussieht, wenn Zwillinge das Gleiche tragen – sie werden dadurch selten einzeln wahrgenommen. In einem Laden für Kinderkleidung habe ich erlebt, wie die Auswahl für zwei Jungen einfach auf das beschränkt wurde, was in ihrer Größe zweimal vorhanden war. Offensichtlich lag der Mutter daran wesentlich mehr als ihnen... Wollte sie auffallen, indem ihre Kinder auffallen?
Dabei verkündet jeder Ratgeber: Trennen! Unterscheiden! Eigenständigkeit und Individualität fördern!!! Und so gibt es auch das andere Extrem, bei dem Eltern pädagogisch korrekt Zwillinge in allem trennen: getrennte Zimmer, getrennte Kleidung, getrennte Klassen bis hin zur getrennten Geburtstagsfeier. Wie so oft in der Erziehung gilt wohl: ein ausgewogenes Maß ist das rechte Maß. Individualität fördern ist das eine, die Natur, die Zwillinge so eng verbindet, ist das andere und hat wohl auch ihr Recht. Trotz getrennter Zimmer sind unsere Zwillinge oft zur anderen ins Bett gekrochen, als sie klein waren. Sie hatten gleichzeitig die Windpocken, die erste Zahnspange, das erste Heimweh. Und sie tauschen bis heute gern ihre Kleidung.
Intuition ist wichtig und Liebe, der Versuch, jedes Kind zu nehmen, wie es ist. In einem Kind steckt viel Eigenart, die Gott ihm mitgegeben hat. Deshalb: wo sie sich nahe sind und wo sie sich trennen, auch da, wo tiefster Streit ausbricht, können wir darauf vertrauen, dass das, was Gott begonnen hat, zu einem guten Gelingen führt.
Die Lebenswege von Jakob und Esau haben sich getrennt durch Betrug und tiefe Enttäuschung. Aber viele Jahre später, vom Leben geprägt, durch Höhen und Tiefen gegangen, werden sich beide wieder begegnen. Sie haben beide Angst vor der Begegnung, vor allem Jakob, der weiß, dass er seinen Bruder betrogen hat vor vielen Jahren. Aber: "Blut ist dicker als Wasser." Die Bibel beschreibt die Begegnung so:
"Esau aber lief seinem Bruder entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn und sie weinten."
(1. Mose 33, 4)
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