Dienstag, der 2. September 2014
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Pfr. Michael Schäfer (evangelisch)
über: Amos 5, 21-24

Spiesen-Elversberg (bei Neunkirchen/Saar), am 17.11.2004
Buß- und Bettag

Buß- und Bettag ist Teil der Friedensdekade. Historisch also auch Teil jenes Prozesses der zur einzigen gelungenen deutschen Revolution gehörte – zur Wiedervereinigung. Daran sollten wir auch heute denken. Dort wo Menschen sich versammeln und für Frieden eintreten, kann ganz Erstaunliches geschehen. Aber was ist eigentlich Friede. Darauf will uns der Text aus dem Propheten Amos Hinweise geben:

(Predigttext)

Das Wort hört sich gut an. Recht, das wie Wasser strömt. Ein friedliches Fließen von Recht und Gerechtigkeit. Menschen umspült wie ein Bachkiesel von Recht. Ich kann mich berauschen an dem Gedanken. Aber vielleicht höre ich doch mal liebe genauer hin. Da ist erst einmal vom Widerwillen Gottes die Rede, von seinem Ekel und seiner Abscheu: 'Ich hasse, ich verwerfe'. Das ist schon starker Tobak. Was ist geschehen? Was lässt den Propheten so elementar reden, dass er uns gleich mit anredet?

Und: Hasst Gott eigentlich auch unsere Gottesdienste, die so ausgearbeitet daher kommen und verwirft er unsere Feiertage – ist er womöglich ein verkappter Minister, der bald alle Feiertage streichen wird?

Die Worte des Amos erschüttern, die verunsichern – und das wollen sie auch. Mitten im Gottesdienst stellen sie mir die Frage: Was ist wichtig in meinem Leben? Mitten im Gottesdienst ist schon Amos aufgetreten und hat den Kern des religiösen Lebens seiner Gesellschaft erschüttert. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Es kann nicht sein, dass Recht und Gerechtigkeit von den Lippen fließen, aus den Kanzeln strömen und der Alltag, das Leben im Alltag eine Schlangengrube bleibt. Wo Menschen Recht und Gerechtigkeit mit Füßen treten, da treten sie Gott mit Füßen, wo sie Bruder oder Schwester verachten, verachten sie Christus (wie Jesus im Gleichnis vom Weltgericht betont).

Es ströme das Recht wie Wasser! Gott will nicht Feiertage abschaffen und Gottesdienste verbieten, aber er will, dass beides seinen Inhalt und seine Würde behält. Feiertage und Gottesdienste sind wichtig, dass wir die Kraft erhalten, Recht und Gerechtigkeit fließen zu lassen zu den Menschen, dass wir die Kraft erhalten, dass Menschen, die uns begegnen spüren, dass wir Begeisterte sind, vom Geist des Herrn erfüllt – mit Recht und Gerechtigkeit von ihm ausgestattet.

Wasser hat eine große Kraft. Vor 2 Jahren war es an der Elbe zu sehen und macht den Menschen auch hier im Saarland Angst. Wenn das Wort Wirklichkeit wird: 'Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach', dann entwickelt Gemeinde Jesu Christi ähnliche Kraft – allerdings zum Segen. Wo das nicht passiert, verachtet Amos die Gottesdienste und ihre Musik nennt er 'Geplärr'.

Gott will unsere Münder, unsere Hände und unsere Füße in Gebrauch nehmen um die Probleme dieser Welt anzugehen. Er will Frieden schaffen und bei uns anfangen. Wir müssen ihn nur lassen, dann richtet er unsere Füße auf den Weg des Friedens, wie in der Bewegung in der DDR.

Amen

© Michael Schäfer 2004

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