Donnerstag, der 24. Juli 2014
Predigt herunterladen als PDF, als Text oder per eMail versenden

Pn. Barbara Daentzer (evangelisch)
über: Markus 16, 1-8

Sehnde (bei Hannover), am 27.03.2005
Ostersonntag

Bibeltexte:
Markus 16, 1 8
Psalm 91, 11 + 12

Gnade sei mit Euch...

Liebe Gemeinde,
was haben Ostern und die Taufe gemeinsam?

Ich denke, es sind folgende Dinge:

1.
Beiden Ereignissen geht etwas anderes voraus, ohne das wir das Fest nicht feiern könnten. Und auf beide Ereignisse bereiten wir uns vor. Dem Osterfest geht die 40-tägige Passionszeit voraus, die Aschermittwoch beginnt. In dieser Zeit begleiten wir Jesus auf seinem Weg des Leidens und Sterbens. Das ist das, ohne das wir gar nicht Ostern feiern würden: Erst stirbt Jesus, dann steht er von den Toten auf. Auch vor der Taufe steht ein Ereignis, das die Voraussetzung bildet, dass ein kleiner Mensch getauft werden kann: Er muss zuvor geboren werden. Im Mutterleib kann niemand getauft werden. Die Vorbereitungszeit auf die Geburt ist allerdings deutlich länger als die Passionszeit. Und hoffentlich ist sie von viel Gutem begleitet und nicht von Angst, Traurigkeit und Leid. Also: Vor der Auferstehung steht der Tod, vor der Taufe die Schwangerschaft und die Geburt.

2.
Ostern und Taufe sind wichtige Feste. Die wichtigsten Hauptfeste der Kirche (Weihnachten und Ostern, da rechne ich allerdings ausdrücklich den Karfreitag mit hinzu) zeichnen sich dadurch aus, dass es eine Vorbereitungszeit gibt: die Advents- und die Passionszeit. Und auch für die Taufe werden Vorbereitungen getroffen: Es werden Paten ausgesucht, festliche Kleidung für den Täufling besorgt, ein Taufspruch und Lieder für den Gottesdienst ausgewählt und nicht zuletzt ein Gespräch mit dem Pastor oder der Pastorin geführt. Und dann ist das wichtige Fest da. Wichtig ist Ostern, weil es ohne dieses Fest vermutlich die christliche Kirche gar nicht geben würde. Denn wer hätte sich wohl nach der Kreuzigung Jesu, nach seinem scheinbaren Scheitern noch zu ihm gehalten? Die Jünger haben ihn ja bekanntlich im Tod allein gelassen.

Wer an seiner Seite blieb, das waren ein paar Frauen. Nur sie hatten die Kraft, Jesus bis unter's Kreuz zu begleiten. Doch wenn auch sie nicht erfahren hätten, dass Jesus nicht im Tode geblieben ist, welchen Grund hätten sie gehabt, weiterhin in seinem Namen zusammenzukommen? Was sie und die Jünger und viele Menschen von Jesus erwartet hatten, ist am Karfreitag sozusagen mitgestorben: ihre Träume und Hoffnungen, dass Jesus der Retter sei, der ein neues Reich gründet, in dem Friede und Gerechtigkeit herrschen. Doch Gott sei Dank haben sich die Frauen nicht derart abgewendet, dass sie nach Jesu Tod wieder ihre eigenen Wege gegangen wären. Nein, sie haben sich aufgemacht zu seinem Grab und entdeckt: Das Grab ist leer.

Jesus ist auferstanden. Sicher, so ganz bekleckern sie sich in dem Moment auch nicht mit Ruhm, wie sie von dem Grab flüchten und aus lauter Angst niemandem etwas davon sagen. Doch Jesus ergreift ja zum Glück selbst die Initiative und erscheint erst Maria von Magdala und dann den Jüngern. Er zeigt sich ausreichend lange und intensiv, dass die Jünger in ihrem Glauben an ihn gefestigt werden und sich eine Gemeinschaft bildet, die Bestand hat. Der Jesus dann auch zutraut, weiterhin zusammenzubleiben, selbst wenn er nicht mehr unter ihnen ist. Eins der letzten Worte - zumindest nach dem ältesten, dem Markusevangelium - ist der so genannte Tauf- und Missionsbefehl, den wir vorhin gehört haben: "Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Darum taufen wir überhaupt. Und darum ist die Taufe auch ein sehr wichtiges Fest. Immer wenn ein Mensch getauft wird, ist das ein Grund zur Freude. Denn wieder wird ein Mensch aufgenommen in die große, weltweite Gemeinschaft der Kinder Gottes, die zurückgeht bis zu den ersten Jüngern. So, wie es ohne die Auferstehung Jesu, ohne das Wunder von Ostern niemanden gäbe, der sich weiterhin zu Jesus halten würde, so würde auch ohne dies niemand mehr getauft. Also: ohne Ostern keine Taufe. Und so, wie wir uns an Ostern darüber freuen, dass Jesus den Tod besiegt hat und dass wir nun auch in dieser Hoffnung leben dürfen, nicht für immer und ewig dem Tod ausgeliefert zu bleiben, genauso freuen wir uns über jeden einzelnen, der getauft ist und getauft wird - und heute ganz besonders über Janik, weil er in die Gemeinschaft der Christen hier in Wehmingen und in der ganzen weiten Welt aufgenommen worden ist.

3.
Welchen gemeinsamen Bezugspunkt gibt es noch zwischen Ostern und der Taufe? Beide Ereignisse haben mit Tod und Leben zu tun. Auf Jesu Tod am Karfreitag folgt am dritten Tag seine Auferstehung, der Sieg des Lebens über den Tod. In jeder Taufe wird dieser Wechsel symbolisch deutlich gemacht. Früher zur Zeit der ersten Christen war das noch deutlicher. Da gab es keine Kirchen mit Taufbecken, sondern es wurde im Fluss getauft. Die Menschen standen im Wasser und wurden mit dem ganzen Körper ins Wasser getaucht. Von oben bis unten durchnässt tauchten sie dann wieder auf. Bei manchen Freikirchen, z.B. den Baptisten, gibt es das heute noch. Doch bei uns, in unserer evangelisch-lutherischen Kirche ist das nicht mehr üblich. Die Taufbecken sind meist auch viel zu klein. Oder glaubt jemand ernsthaft, Janik hätte selbst am Tage seiner Geburt in unseres komplett reingepasst?

Also besteht der eigentliche Taufakt aus dem dreimaligen Begießen des Täuflings mit Wasser. Damit wird zeichenhaft dargestellt, dass der alte Mensch mit all dem, was ihn von Gott trennt, stirbt und der neue Mensch, der mit Christus lebt und deswegen seit seiner Taufe Christ genannt wird, aufersteht.

4.
Neben den Gemeinsamkeiten, die allgemein für Ostern und Taufe gelten, gibt es noch eine, die unmittelbar mit Janiks Taufe heute zu tun hat: Das ist die Figur des Engels. Im Markusevangelium wird zwar nicht gesagt, dass die Gestalt im Grab, die den Frauen die Auferstehung Jesu verkündet, ein Engel ist. Aber in der Malerei wurde dieser Jüngling im langen weißen Gewand immer wieder als ein solcher dargestellt, vielleicht auch von den Evangelien von Matthäus und Johannes beeinflusst, wo ausdrücklich von Engeln die Rede ist. Und warum sollte in dem Zusammenhang von Jesu Auferstehung nicht ebenso selbstverständlich von Engeln gesprochen werden wie bei seiner Geburt an Weihnachten?

Der Engel erscheint hier also als Bote der guten Nachricht, dass Jesus auferstanden ist. In Janiks Taufspruch ist auch von Engeln die Rede. In Psalm 91 heißt es: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest." Engel werden hier nicht so sehr als Boten, die etwas zu verkünden haben, betrachtet, sondern als Beschützer. Und das ist es ja, was wir unseren Kindern, was Sie, liebe Familie B., Ihrem Janik wünschen: dass gerade die Kleinen, die so hilflos sind, beschützt werden. Natürlich wird Janik sich stoßen. Natürlich wird er, wenn er seine ersten Gehversuche machen wird, hinfallen und sich auch mal wehtun. Das kennen Sie ja schon von Hendrik. Ne, Hendrik, das kommt jetzt bestimmt auch noch manches Mal vor, dass du hinfällst, oder?

Ohne blaue Flecken, ohne Schrammen und Blessuren wird es nicht gehen. Nur so lernen auch Kinder. Sie müssen sich etwas trauen, manchmal auch überschätzen und dabei zu Fall kommen. Wichtig ist, dass sie immer wieder aufstehen. Dass sie einen neuen Anlauf wagen und so lange üben, bis es ihnen gelingt. Dafür brauchen sie m.E. einen Engel an ihrer Seite: der sie nämlich aufrichtet und ihnen das Gefühl der Angst vor dem Neuen nimmt. Wer sich nämlich mit dem begnügt, was er kann, wer nicht neugierig ist auf's Leben und neue Entdeckungen zu machen bereit ist, der kann sich nicht weiterentwickeln. Dem geht eine Fülle an Leben und Lebenserfahrungen verloren. Die Engel an Janiks Seite mögen das verhindern - sowohl die himmlischen als auch die irdischen. Sie, liebe Eltern und liebe Patin, sollen solche Engel für Janik sein.

Sie sollen an seiner Seite bleiben, ihm aufhelfen, wenn er fällt, ihm Mut machen, wenn er ängstlich ist, ihn trösten, wenn er traurig ist. Nicht immer und in jeder Sekunde und an jedem Ort werden Sie bei Janik sein können. Das vermögen keine Eltern oder Paten. Und doch müssen Sie keine Angst um ihn haben, wenn sie ihn allein wissen. Denn ganz allein ist er niemals. Sie dürfen darauf vertrauen, dass da immer jemand bei ihm ist. Und selbst wenn Janik etwas zustoßen sollte, was Gott verhüten möge. Aber wenn es so sein sollte, dürfen sie ihn bei Gott aufgehoben und geborgen wissen. Nicht nur in diesem Leben. Das ist die Botschaft von Ostern: So, wie Gott Jesus nicht dem Leid und Tod überlassen hat, geht auch Janik, gehen auch wir auf ein Ziel zu. Vor Passion und Karfreitag ist niemand sicher. Aber wie gut zu wissen: auch vor Ostern nicht.

Das ist ein Grund zur Freude für uns, die wir heute Ostern und Taufe feiern. Und damit von dieser Stimmung etwas spürbar wird, möchte ich zum Schluss die Tradition des Osterlachens aufnehmen und Sie mit einem Witz zum Lachen bringen. Um niemandem von Ihnen zu nahe zu treten, habe ich einen Witz ausgewählt, der meine Berufsgruppe auf die Schippe nimmt:

Der Superintendent visitiert die Gemeinde und besucht den Konfirmandenunterricht. Weil es kurz nach Ostern ist, fragt er Thomas: "Du hier vorne - was weißt du von dem Stein vor Jesu Grab, der plötzlich verschwunden war?" Thomas beeilt sich schnell zu sagen: "Ich war es nicht." Der Superintendent blickt hilflos zum Pastor. Der pflichtet Thomas bei: "Ich glaube auch nicht, dass er es war." Kopfschüttelnd verlässt der Superintendent den Unterricht. Am nächsten Tag trifft er den Oberkirchenrat, der für den kirchlichen Unterricht zuständig ist, und berichtet ihm die ganze Geschichte. Sagt der nach kurzem Überlegen: "Ich glaube, der Pastor war's." Der Superintendent ist verzweifelt. Als er am nächsten Tag den Bischoff trifft, erzählt er ihm, was vorgefallen ist.

Nachdem dieser die Geschichte gehört hat, denkt er kurz nach, zückt sein Portemonnaie, drückt dem Superintendenten 50 Euro in die Hand und sagt: "Dafür können Sie doch bestimmt einen neuen Stein kaufen."

Ich wünsche Ihnen und Euch, dass sich die Osterfreude immer wieder in Ihren Herzen und auf Ihren Gesichtern breitmacht. Denn: "Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!"

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben.

Amen

© Barbara Daentzer 2005
http://www.petri-pauli-gemeinde.de

Weitere Predigten
 von: Pn. Barbara Daentzer 
 zu: Ostersonntag 
 über: Markus 16  
Predigt im PDF-Format herunterladen
Predigt als Textdatei herunterladen
Predigt als Doc-Format für den PalmPilot
Predigt als eMail versenden

 

Powersearch  Die Bibel  Startseite  NEPOMUK  Impressum  Zurück