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P. Joachim Gronau (evangelisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugOrt unbek., am 04.09.1999 Sonstige Ansprache |
BEGRÜSSUNG
Liebe Kinder. liebe Eltern!
Zunächst möchte ich Sie und Euch alle ganz herzlich zu diesem Einschulungsgottesdienst in der Peter&Paul-Kirche begrüßen. Der Einfachheit halber spreche ich hier im weiteren Verlauf in erster Linie die Kinder an. Sie sind ja auch unsere Hauptpersonen an diesem Morgen. Vielleicht habt Ihr ja noch ein bißchen Angst davor, jetzt so viele fremde Gesichter zu sehen. Aber ihr seid ja nicht alleine hier. Eure Mütter und Väter sind mitgekommen, eure Freunde, die Eltern eurer Freunde, eure neuen Schulkameraden, einige eurer neuen Lehrerinnen, vielleicht auch eure Oma und euer Opa. Alle sind sie hier. Ihr seid nicht allein. Alle sind hier und wünschen euch alles Gute. Viele Menschen sind um euch, hier in der Kapelle und später in der Schule. Heute ist ein großer Tag für euch, liebe Schulanfänger. Heute geht es mit der Schule los. Noch seid Ihr die Kleinsten und vielleicht blickt Ihr schon ein bißchen neidisch auf die Kinder aus der vierten Klasse.
Die sind ja schon so groß, denkt Ihr vielleicht. Aber heute morgen sollt ihr auch ganz groß sein. Alle sollen Euch einmal gesehen haben. Stellt Euch einfach einmal auf die Kirchenbänke. Wir wollen die neuen Schüler alle mal mit einem großen Applaus begrüßen. So nun könnt ihr euch wieder ganz normal hinsetzen. Jetzt weiß jeder, wer Ihr seid. Und Gott weiß es auch. Und er freut sich mit euch.
Liebe Kinder!
Ich möchte Euch heute morgen eine kleine Geschichte erzählen. Sie heißt "Der Heultopf". Sie könnte in Bisperode stattgefunden haben. Also der Bürgermeister von Bisperode hatte eines Tages die Idee, einen Jahrmarkt in Bisperode stattfinden zu lassen. Gesagt getan. Bald darauf fand der Markt statt. Es gab ein Karussell, einen Clown und eine Schießbude. Außerdem erschienen viele Händler, die auf dem Jahrmarkt ihre Ware verkaufen wollten. Unter diesen Händlern war auch einer, der Töpfe und Pfannen verkaufte. Mit lauter Stimme rief er: "Schöne Töpfe zu verkaufen. Hier ein Topf, der besonders gut geeignet ist, Kartoffeln zu kochen. Und hier einer für Spaghetti mit Tomatensoße." Die Leute kauften viel. Und besonders viel kauften sie beim Topfhändler. Zum Schluß hatte der nur noch einen einzigen Topf übrig. Das war ein ganz besonders großes Exemplar. So einer wie der, der dort steht. (Pastor zeigt auf den Topf im Altarraum)
Keiner wußte, wofür ein solch großer Topf gut sein sollte. Aber keiner fragte, da keiner als dumm erscheinen wollte. Da faßte sich der Bürgermeister ein Herz und sagte zu dem Topfhändler: "Was ist das für ein riesiger Topf, den du hier überbehalten hast?" Der Topfhändler antwortete: "Das ist ein Heultopf. Wenn einer so richtig Ärger oder Wut hat oder Angst und Herzklopfen, dann geht er zu dem Topf, öffnet den Deckel und sagt dem Topf, was ihn bedrückt. Deckel zu und alles ist gut." Der Bürgermeister war richtig begeistert und so kaufte er den Topf und ließ ihn dort, wo der Maibaum steht, aufstellen. Jeder konnte dorthin gehen und eifrig von dem Topf Gebrauch machen. Das klang dann ungefähr so:
(Jemand heult in den Topf)
Kinder werden aufgefordert, auch etwas in den Topf zu heulen
So weit, so gut. Nach einer ganzen Weile fing der Topf allerdings mächtig an zu stinken. Keiner traute sich mehr dorthin. Ja, sogar in Bessingen und Diedersen und in Harderode konnte man es schon riechen. Der Bürgermeister wäre den Topf natürlich gerne wieder losgeworden. Und so schickte er dem Topfverkäufer einen Beschwerdebrief, in dem stand, der Topfverkäufer solle diesen nichtsnutzigen Topf gefälligst wieder abholen. Der Topfverkäufer kam auch sofort und schaute sich die Katastrophe an. Er schlich zweimal um den Topf und fing dann lauthals an zu lachen. "Ja, was ist denn?", wollten die Leute wissen, die sich ein bißchen veralbert vorkamen. Der Topfverkäufer antwortete: "Ihr habt dem Topf ja ganz schön harte Brocken gegeben. Das kann der nicht so einfach verdauen. Ihr müßt ihm auch mal etwas Nettes sagen. Vielleicht fangt ihr gleich einmal damit an.
(Jemand sagt etwas Nettes in den Topf.)
Kinder werden aufgefordert auch etwas nettes in den Topf zu sagen.
Kaum hatten die Leute etwas Nettes in den Topf gesagt, hörte der Gestank auch schon auf. Fortan achteten die Bürger darauf, ab und zu auch mal etwas nettes in den Topf zu sagen. Das ist natürlich nur eine Geschichte. Sie ist nicht wirklich passiert. Aber an ihr können wir etwas erkennen. Jeder Mensch hat mal Ärger oder Wut oder Angst und Herzklopfen, jedem geht es mal schlecht und ihr wißt sicher, daß es Euch auch schon oft so gegangen ist. Ärger, weil jemand Euer liebstes Spielzeug weggenommen hat oder Angst, weil es im Keller so dunkel und unheimlich ist. Und manchmal habt ihr dann das Gefühl, daß ihr ganz allein seid. Da ist niemand weit und breit, mit dem ihr wirklich über Euer Problem reden könnt, dem ihr einfach mal sagen könnt, was euch stört. Die Eltern haben vielleicht gerade keine Zeit. Eure Freundin oder euer Freund sind auch nicht da. So ein Topf, das wäre dann schon etwas.
Einfach alles rein, Deckel drauf und schon ist alles prima. So einen Topf gibt es natürlich nicht. Aber es gibt jemanden, der Euch zuhört und Euch versteht. Da ist jemand, dem Ihr Eure Wut, Euren Ärger und Eure Angst anvertrauen könnt: Gott. Der ist wie ein großer Topf, da paßt viel rein. Und er fängt auch nicht an zu stinken, weil er, irgendwann voll ist. Aber Gott freut sich trotzdem, wenn ihr ihm auch mal etwas Nettes sagt. Gott ist wie ein großer Heultopf. Er nimmt Eure Sorgen, Euren Ärger und Eure Angst wichtig. Versucht es doch einfach mal, ihm alles anzuvertrauen. Vieles in der Schule wird Euch jetzt noch fremd vorkommen. Viele Eurer neuen Schulkameraden kennt Ihr auch noch nicht. Aber keine Angst, Ihr werdet sie kennenlernen. Vielleicht hilft Gott Euch ja ein bißchen dabei. Denn Gott will uns auf gar keinen Fall alleine lassen. Er will uns helfen. Er möchte, daß wir nicht den Mut verlieren oder die Hoffnung aufgeben. Er möchte, daß wir uns ihm anvertrauen. Und deshalb können wir Ihm alles sagen. Das sollen wir machen, wenn wir beten.
AMEN
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