Mittwoch, der 17. September 2014
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Stefan Krönung (katholisch)
über: Matthäus 3, 1-12

Kassel, am 10.12.1995 (St. Marien)
2. Advent

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

"Du bist und bleibst ein Kamel". So liebenswert und viel lauter habe ich einmal den einen zum anderen sprechen hören. Der nächste war schlau und nannte den anderen einen Esel. Ich glaube, Menschen nutzen die Namen der Tiere gerne, um Frust und Zorn, Schimpf und Schande sich gegenseitig an den Kopf zu werfen.

Dabei können einem die Viecher schon leid tun! Kamele sind gutmütig, ausdauernd, sie schonen Kräfte und Vorräte. Die Menschen schleppen Sie durch Wüsten, Lasten tragen Sie geduldig. Und selbst Esel sind ganze Kerle. Die Sturheit möge man ihnen verzeihen. Sie schuften noch, wo stolze Pferde längst aufgeben.

Gottes großen Tiergarten zu bemühen, scheint aber auch guter biblischer Brauch zu sein. Im heutigen Evangelium höre ich Johannes schimpfen: "Ihr Schlangenbrut!" Gift und Schlange gehören zusammen. Schließlich gehen von diesem Wurm Gefahren für Menschen aus. Der Biß ist tödlich. Das Tier unberechenbar. Die Schlange hat Schuld an alledem, was uns aus dem Paradies vertrieben hat. Folgen: Schmerzen und begrenztes Leben, Mühe und Angst - menschliches Leben draußen vor der Tür - das verdanken wir ihr. So steht es am Anfang der Bibel.

Vielleicht denkt auch Johannes daran: "Ihr Schlangenbrut" schreit er die Schlauen und Studierten an. "Wer hat euch denn gesagt, daß ihr dem Gottesgericht entgehen könnt? Ändert Euch, zeigt Taten!"

Schwestern und Brüder!

Was würden Sie denn einem Menschen antworten, der ihren Glauben an Jesus nicht mag. Der sie an alle gottlosen und menschenverachtenden Episoden des Christentums erinnert. An die Wölfe und die Hunde in unserer dunklen Vergangenheit?

Was würden Sie ihm sagen, wenn er ihnen einen besseren Vorschlag macht, etwa diesen: "Euer Gott ist Mensch geworden, sagt ihr? Mein Vorschlag ist besser. Gott wird Delphin!" "Wieso gerade Delphin?" "Weil Delphine gute Wesen sind. Erfrischend, verspielt, liebevoll und sogar zärtlich. Delphine freunden sich mit Menschen an, obwohl die ihnen nicht immer hold sind. (Die Umweltverschmutzung bringt sie an den Rand ihrer Existenz). Mit aller Distanz, gewiß, aber sie sind höflich und beinahe herzlich. Delphine hätten es verdient. Menschen nicht. Die Delphinwerdung Gottes! Das wäre ein Fest zur Ehre Gottes."

Gott ist Gott. Würde ich sagen. Er ist Derselbe und der Eine und der Gute. Und ein Affe ist ein Affe. Würde ich sagen. Und Gott ist naiv, würde ich auch noch sagen, weil er den Menschen nicht aufgibt. Kein anderes Wesen kann erkennen, irregehen, umkehren, lieben mit all seinen Gedanken und all seiner Kraft und in seinem Herzen einen Platz für Gott bereiten.

Genau deswegen ist heute der 2. Advent: Der Wüstling und Prophet Johannes ruft eindringlich zur Umkehr auf! Den Weg sollen wir bereiten, Möglichkeiten eröffnen, wie Gott bei uns Menschen ankommen kann.

Ein ganz verläßlicher Weg dazu heißt Menschwerdung. Sie und ich sollen die Tage des Advents nutzten und uns begegnen: Von Mensch zu Mensch. Wir sollen einander helfen, achten, tolerieren: Von Mensch zu Mensch.

Wir sollen dem Herrn in uns Raum schaffen: Von Gott zum Menschen. Von ihm zu mir. Vielleicht hilft uns ein Freund aus dem Reich der Tiere dabei. Ochs und Esel, das Kamel, die Biene, der Affe oder das Kuscheltier.

Ich bin davon überzeugt, daß so Frieden werden kann in Gottes großem Tierreich und im Zoologischen Garten, der in mir selbst lebt. So wird Gottes Reich anbrechen. In uns und mit uns.

Übrigens: Jesus predigt später ähnliches den Pharisäer. Er nennt sie auch Schlangenbrut. Aber noch viel öfter können Sie von ihm hören, daß er Mitleid mit den Menschen hat. Das ist tröstlich.

Amen.

© Stefan Krönung 1995

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