Freitag, der 1. August 2014
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P. Ekhard Brandes (evangelisch-lutherisch)
über: Jesaja 63, 15-19

Staufenberg/Niedersachsen (OT Escherode), am 04.12.2005 (Kirche Escherode)
2. Advent

Bibeltext:
Jesaja 63, 15 19 + 64, 1 3

Kanzelgruß

(Predigttext)

Liebe Gemeinde!

Nach einer Untersuchung des sozialwissenschaftlichen Instituts in Hamburg, das vor einigen Tagen im Internet veröffentlicht wurde, gab es von 1945 bis 2004 insgesamt 161 Kriege, davon 16 Kriege in Europa. Weltweit gibt es derzeitig 41 bewaffnete Konflikte. Und wenn wieder einmal berichtet wird, dass an einem Tag Dutzende von unschuldigen Opfern auf brutale Weise ihr Leben verloren haben, dann wird man doch ungeduldig und zornig! "Warum kommt denn Gott nicht, um die Bösewichter zu bestrafen und die Opfer zu schützen?" Unschuldige Kinder werden von Verbrechern vergewaltigt und ermordet. Überforderte Mütter lassen auf elendste Weise ihre Kinder ums Leben kommen: Wie kann Gott das alles zulassen?

Die alten Griechen glaubten an den Göttervater Zeus. Bisweilen schaute Zeus vom Olymp auf die Erde herab, und wenn er irgendwelche Übeltäter bei ihrer Freveltat erwischte, dann schwang er seine Gewitterkeule und erschlug die Bösewichter. Manchmal wünschten wir es uns auch, dass unser Gott so etwas wie seine Gewitterkeule schwingen und die bösen Menschen alle liquidieren würde.

Andererseits möchte ich selbst nicht liquidiert werden. Ich bin kein Engel, das Böse steckt auch in mir, wie in jedem Menschen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser finde ich es, dass Gott mit uns Menschen Geduld hat. Wenn ich aber wieder von einer schlimmen Gräueltat höre, werde ich meinerseits ungeduldig mit Gott.

Unser Predigttext stammt von einem Menschen, der völlig verzweifelt ist. Warum schaut Gott nicht von seinem Himmel herab? Warum lässt er es zu, dass seine Menschenkinder in die Irre laufen? Warum geht es uns so furchtbar schlecht? Unser Mann befindet sich mit seinen Mitmenschen in einer schlimmen Krise. Jetzt müsste ihm Gott doch helfen, aber wo ist er? Der Himmel ist verschlossen; alles erscheint grau und düster. Alles hat unser Mann schon ausprobiert, aber nichts ist so recht gelungen. Keine Hoffnung hat sich erfüllt. Dazu kommt der Zweifel an sich selbst: "Wer bin ich, dass mir alles misslingt? Was mache ich bloß falsch? Wozu tauge ich denn noch?" Unser Mann macht auch diese schlimme Erfahrung mit sich selbst uneins zu sein. Wo ist denn Gott? Gott scheint so unendlich weit weg zu sein!

Unser Mann stößt da einen richtigen Verzweiflungsschrei aus: Schau doch hinunter vom Himmel! ... Wo bleibt denn dein Interesse? Wo bleibt denn deine Barmherzigkeit? ... Wenn du doch bloß den Himmel aufreißen und herunterkommen würdest!

Da wird eine Sehnsucht nach Erlösung deutlich! Menschen, welche noch den Krieg kennen lernen mussten, haben eine besondere Sehnsucht nach Frieden. Menschen, die schwerkrank im Krankenhaus liegen, haben nur noch einen Wunsch, nämlich gesund zu werden. Menschen, die keine Perspektive mehr haben, sehnen sich nach neuen Möglichkeiten. Jede Sehnsucht nach Besserung, nach Erlösung, ist zugleich Sehnsucht nach Gott!

Wir feiern Advent Ankunft die Ankunft Gottes mit Jesus Christus! Gott ist mit Jesus Christus im Stall von Bethlehem auf diese Erde gekommen. "Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden." (Johannes 1, 11 + 12) So erklärt es Johannes: Gott ist mit Jesus Christus schon einmal hier gewesen, doch er wurde von den meisten Menschen nicht aufgenommen. Er wurde abgelehnt und gekreuzigt!

"Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden."

Wenn in alter Zeit ein König unterwegs war, dann schickte er seine Herolde, seine Boten, voraus. So schickt auch Jesus Christus seine Boten voraus, Gottes Kinder. Die Botschaft lautet: Es ist Advent: Gott kommt! Der Heiland ist unterwegs, um diese Welt zu erlösen!

Wir sind Gottes Kinder, denn wir sind getauft! Wir hören diese Adventsbotschaft, um sie weiter zu sagen. In diesem Gottesdienst haben wir gesungen und Musik gehört. Mit der Musik will Gott uns locken, seine Botschafter zu sein. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4, 4 + 5) Die Musik will Freude machen, diese Freude soll ansteckend sein.

Heute haben wir von Frau R. als Küsterin Abschied zu nehmen. Gleichzeitig wird Frau E. als ihre Nachfolgerin eingeführt. Ob als Küsterin, als Organist, als Chorsänger, als Kirchenvorsteher, als Pastor oder als Gemeindeglied: wir alle haben diese wichtigste Aufgabe zu erfüllen, Botschafter des Advents zu sein: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

Unsere Augen sehen es nicht, wohl aber unser Glaube und unsere Hoffnung: Der Himmel steht offen! Wenn wir im Gottesdienst und im Alltag im Advent, zu Weihnachten und im ganzen Jahr die Gegenwart unseres Heilandes feiern, dann ist er mitten unter uns. Dann nimmt er Anteil am Leiden dieser Weise. Wenn wir uns schwach fühlen, gibt er uns neue Kraft, wenn wir ohne Hoffnung sind, gibt er uns neuen Mut.

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kundsein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

© Ekhard Brandes 2005
http://www.predigt.homepage.t-online.de/

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