Donnerstag, der 9. September 2010
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Pfr. Josef Ernst
über: kein konkreter bibl. Bezug

Kadenbach (bei Koblenz), am 25.12.2005 (St. Josef Kirche)
Liedpredigt

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Viele Kulturen wussten um die Kunst, den Weg mit Hilfe der Sterne zu bestimmen, übers Meer, durch die Wüste. Unserer Epoche war es vergönnt, den Weltraum zu erobern und zu den nächstgelegenen Planeten aufzubrechen.

Der Griff nach den Sternen ist uns Menschen möglich geworden.
Wir können unseren Fuß darauf setzen.
Auch die Weihnachtsbotschaft spricht von einem Stern.
Die Weisen haben sich nicht auf den Weg zum Stern gemacht.

Die Weihnachtsbotschaft sagt, dass wir dort nicht das finden, worauf dieser eine Stern uns hinweisen will: die Krippe in Bethlehem. Die unendlichen Weiten des Universums sind so geordnet, dass wir aus dieser Ordnung den Weg auf unserer Erde erkennen können. Selbst die im Vergleich zum Weltall winzige Stadt Bethlehem und dort eine Krippe, darin ein Kind.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du steh'n (kleine Pause)
und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

Sind wir dem Stern gefolgt und haben gefunden, worauf er verweist – ein Kind in einer Krippe – dann besteht aller Grund staunend innezuhalten.

Warum wird der Himmel in Bewegung gesetzt um Menschen auf ein Kind aufmerksam zu machen.

Nun, wenn jedes Kind ein Wunder ist, dann ist dieses Kind das Wunder aller Wunder. Denn dies ist nicht einfach ein Kind, sondern in ihm wird Gott Mensch. Das kann nur das Auge des Glaubens sehen. Unsere Weihnachtsgeschichte bauen mit einer Krippe auch Nichtchristen, Heiden, Gläubige anderer Religionen in ihren Häusern auf. Doch solange sie in diesem Kind nicht den Erlöser der Welt zu erkennen vermögen, bleibt ihnen das Wunder der Weihnacht verschlossen.

Glaubende sehen, was niemand gedacht, das Wunder, das da geschehen, in dieser Nacht.

Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel;
denn dieser arme Stall birgt doch so viel.
Du hast uns hergeführt, wir danken dir.
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier.

Wir sind am Ziel.
Was ist denn das Ziel meines Lebens?
Das Weihnachtsgeschehen hilft mir, eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Habe ich Sehnsucht nach einem Ziel über alles Irdische hinaus?
Oder bin ich zufrieden,
wenn alles berufliche Engagement geglückt ist,
wenn keine Krankheit droht,
wenn das soziale Netz dicht geknüpft ist;
wenn das Heim bezahlt ist und die Freundschaften gesichert.
Wenn der Friede groß ist, ja wenn...

Kein Mensch, kein Ding kann uns letzte Sicherheit geben und jede Angst nehmen. Ziel der Sehnsucht des Menschen ist die Liebe Gottes, die mir in diesem Kind in der Krippe entgegenkommt.

Stern von Bethlehem, kehrn wir zurück,
steht noch der helle Schein in unserm Blick,
und was uns froh macht, teilen wir aus.
Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus.

Gott hat sein Ziel erreicht, den Menschen, mich.

Ich jedoch, ich bin noch auf dem Weg. Doch wenn ich meinen Weg von der Krippe aus nehme, dann trage ich Gottes Sohn in mir. Der helle Schein im Blick des Menschen, der sich von Gott geliebt weiß, lässt alle Menschen im Licht der Weihnacht erscheinen:

die klatschsüchtige Nachbarin, den schlecht gelaunten Arbeitskollegen, den unfreundlichen Verkehrsteilnehmer, die genervte Bedienung.

All diejenigen, die zwar Weihnachten feiern, aber die die Botschaft des Festes nicht erreicht hat: Gott liebt dich. Der Stern von Bethlehem scheint auch zu Haus bzw. über den Häusern, in denen die Weihnacht zu spüren und zu sehen ist.

Wie tröstlich für uns alle, die zur Krippe kommen, weil wir umfangen von Gottes Liebe dieses Geschenk weitergeben können, ohne es je zu verlieren.

Amen.

(Idee von Dechant Thomas Frings aus Münster)

© Josef Ernst 2005

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