Freitag, der 18. April 2014
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Dekan i. R. Gottfried Stritar (evangelisch)
über: 1. Thessalonicher 5, 16-22

Traunstein (Kreis Traunstein (Bayern)), am 19.01.2008 (Kath. Pfarrkirche Haslach)
Sonstige Ansprache

Betet ohne Unterlass! Unter dieser apostolischen Ermunterung aus 1. Thessalonicher steht die Gebetswoche im Jubiläumsjahr 2008.

Vor genau hundert Jahren (1908) wurde auf Initiative eines anglikanischen Pfarrers und Gründers einer später katholischen Ordensgemeinschaft die erste Gebetswoche für die Einheit der Christen durchgeführt. Sie breitete sich zunächst vor allem im Bereich der römisch-katholischen Kirche aus.

Doch dann kam aus der ökumenischen Bewegung eine zweite Wurzel dazu. Und aus diesen beiden Wurzeln hat sich dann im Laufe der Zeit eine gemeinsame Gebetswoche entwickelt.

Und vor vierzig Jahren (1968) wurden die Texte zur Gebetswoche zum ersten Mal von einer gemeinsamen ökumenischen Arbeitsgruppe herausgegeben. Mittlerweile ist die Gebetswoche für viele Gemeinden zu einem festen Bestandteil ihres ökumenischen Lebens geworden. Auch hier bei uns.

Wegen des Jubiläums der ökumenischen Gebetswoche auch der programmatische Titel: Betet ohne Unterlass!

Paulus fasst am Schluss seines ersten Briefes an die Gemeinde in Thessaloniki noch einmal seine Anliegen kurz und bündig zusammen:

(Predigttext)

Ganz wichtige Ratschläge für das Leben eines Christenmenschen.
Ganz oben, gleichsam als Überschrift, steht die Freude, die Lebenslust: Freut euch zu jeder Zeit!

Mit anderen Worten: Jammert nicht so viel. Lauft nicht immer mit einer Leidensmiene durch die Gegend. Sondern freut euch, als Christen habt ihr allen Grund dazu! Freut euch zu jeder Zeit! Und steckt andere mit eurer Freude an. Geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude. Die Freude ist wir eine ansteckende Gesundheit; man kann sie nicht für sich allein behalten; man muss andere damit anstecken. Das tut gut. Das tut mir gut, und das tut meiner Umgebung gut. Diese Freude, diese Lebenslust.

Und dann eben: Betet ohne Unterlass!

Jammert nicht so viel über die Welt und andere Menschen, sondern nehmt sie ins Gebet. Ja, nehmt die Welt in euer Gebet. Nehmt die Menschen in euer Gebet - die euch am Herzen liegen und genauso die, die euch auf die Nerven gehen. Vielleicht die sogar ganz besonders. Nehmt sie in euer Gebet. Betet für sie.

Auch wenn es Kritisches zu sagen gibt, so nörgelt nicht immer an eurer Kirche herum, sondern nehmt sie lieber ins Gebet; nehmt sie in euer Abendgebet. Die Kirche und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen eure Fürbitte, hier in Haslach und genauso in München und in Rom.

Ja, und nehmt auch die Ökumene ins Gebet, damit die beiden großen Kirchen nicht auf halben Weg stehen bleiben; dass sie sich nicht entmutigen lassen und resignieren, sondern geduldig und beharrlich und, wenn es sein muss, ruhig auch ein bisschen stur auf ihrem gemeinsamen Weg weitergehen, Schritt für Schritt. Nehmt die Ökumene in euer Gebet; sie hat es notwendig. Damit sie ihren Schwung nicht verliert.

Wir haben einen prominenten Vorbeter für die Ökumene: Jesus Christus. Bereits er hat die Einheit der Kirche, die Ökumene in sein Gebet genommen. Im Johannesevangelium (Kapitel 17) ist dieses Gebet überliefert:

Ich bitte für sie: Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist, und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast ... Sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

Alle sollen eins sein. Das ist das Anliegen Jesu. Es geht ihm dabei auch um die Glaubwürdigkeit unseres Glaubens. Dass seine Nachfolgerinnen und Nachfolger glaubwürdige Christen sind, glaubwürdige Zeugen des Evangeliums.

Dass sie von Liebe eben nicht nur reden, sondern sie im Alltag leben auch wenn das manchmal alles andere als leicht ist. Doch gerade dann ist die Liebe umso wichtiger.

Dass die Christen Toleranz nicht nur von anderen fordern, sondern selber praktizieren auch gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen.

Dass die Kirchen über soziale Gerechtigkeit nicht bloß diskutieren, sondern dass sie diesen biblischen Grundwert auch deutlich und öffentlich einfordern; weil wir Christinnen und Christen es nicht so einfach hinnehmen können, dass die zehn Prozent Reichsten in unserem Land immer reicher werden und die zehn Prozent Ärmsten noch ärmer.

Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Unsere Glaubwürdigkeit und damit auch unsere Überzeugungskraft wäre erheblich größer und nachhaltiger, wenn die Kirchen mit einer Stimme sprechen würden. So wie sie es ja auch in der Frage des Sonntagsschutzes tun.

Betet ohne Unterlass! Das schreibt Paulus uns heute, zu Beginn der Gebetswoche um die Einheit der Christen, ins Stammbuch.

Nehmt, wie Jesus Christus, die Einheit der Kirche, die Ökumene in euer Gebet. Betet für sie! Betet für diejenigen, die die Ökumene voranbringen. Und betet auch für die, die vielleicht noch etwas unsicher und ängstlich sind, vielleicht auch skeptisch.

Und, so der Apostel weiter, dankt für alles! Dankt Gott, so können wir heute sagen, auch für die großen Fortschritte, die die Ökumene in den letzten Jahren gemacht hat. Vieles, was vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar war, ist heute fast schon selbstverständlich, auch hier in Traunstein und Haslach: Ökumenische Segnungen, Gottesdienste, Arbeitskreise, Gesprächsgruppen, Bibelabende und vieles mehr.

Wie viele echte Freundschaften sind aus solchen Begegnungen schon entstanden, über alle konfessionellen Grenzen hinweg. Gott sei Dank! Ja, wirklich: Gott sei Dank!

Löscht den Geist nicht aus! schreibt Paulus. Lasst euch immer wieder neu begeistern von der frohen Botschaft des Evangeliums. Pfingsten einmal im Jahr ist viel zu wenig, davon kann keine Kirche leben. Auch die Ökumene nicht. Wir brauchen viele Pfingsten! Jeder Gottesdienst könnte doch so ein Pfingstfest sein, das die Menschen neu begeistert. Und andere erkennen, wessen Geistes Kinder wir Christenmenschen sind.

Verachtet prophetisches Reden nicht! Schreibt Paulus. Hört auf die Propheten. Auf die echten Propheten und Prophetinnen, die uns Wichtiges zu sagen haben. Hört auf sie. Spitzt eure Ohren, damit ihr sie aus dem lauten Stimmengewirr heraushört. Das ist nicht immer leicht. Aber es kann gelingen, die echten Propheten von den falschen zu unterscheiden.

Und, so rät der Apostel zu guter Letzt:
Prüft alles, und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!

Vor allem aber: Betet ohne Unterlass! Nehmt eure Kirche ins Gebet. Und nehmt die Ökumene ins Gebet. Denn damit steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit unseres gemeinsamen Glaubens auf dem Spiel.

Betet ohne Unterlass! Vertraut auf die Wirkung des Gebetes. Und darauf, dass unsere Gebete gehört werden.

Amen.

© Gottfried Stritar 2008

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