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Pfr. Michael Häußler (evangelisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugDortmund, am 08.11.1998 Beerdigung/Trauerfeier |
Bestattung eines Kindes; das Kind ist 11 Monate alt einige Wochen nach ihrer Taufe nach einer Herzoperation verstorben.
Gnade sei mit euch ...
Gott ist unsere Zuversicht und unsere Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Nach dir, HERR, verlanget mich.
Mein Gott, ich hoffe auf dich; laß mich nicht zuschanden werden, daß meine Feinde nicht frohlocken über mich. Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! Sieh an meinen Jammer und mein Elend! Bewahre meine Seele und errette mich; laß mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!
Ich lese aus dem Markusevangelium:
Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?
Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.
Seht zu, daß ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. So ist's auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, daß auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde.
Ich möchte für Sie als Eltern ein Gebet sprechen:
Vater im Himmel! Wir kommen zu dir in unserem Schmerz. Annika ist tot; wir müssen sie hergeben. Du hast sie uns gegeben - und du hast sie uns auch wieder genommen. Wie schön war es, die Monate, die sie bei uns war, mit ihr zu leben, mit ihrer Lebensfreude, ihrer Kraft, ihrer Fröhlichkeit. Das wird uns nicht verloren gehen und wir werden die Erinnerung daran für immer in unseren Herzen bewahren.
Wir wollten wollten ihr alle Liebe schenken, zu der wir fähig sind. Das hat sie, das haben wir gebraucht in den auch manchmal schlimmen Monaten der Krankheit. Wir hoffen, daß uns das gelungen ist und sich Annika wohl bei uns gefühlt hat, daß sie zuhause war und Leben gefunden hat und leben konnte.
Wir wissen auch, daß zur Liebe auch das Loslassen gehört. Daß wir Annika so schnell wieder hergeben mußten, das tut uns unsagbar weh.
Aber DU, der du doch Vater bist aller derer, die leben und sterben, nimm unser Kind in dein himmlisches Reich. Laß es dort deine Liebe spüren und Leben erfahren, das Ihr hier nur so kurze Zeit beschieden war. Laß es deine Herrlichkeit schauen.
Für uns bitten wir dich um Kraft, um Hilfe und um Hoffnung, die uns trägt und hält.
Amen.
"..wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!
(Saint-Exupery)
Altäre aus der Zeit des Barock werden oft von dem hebräischen Gottesnamen gekrönt. Inmitten eines Srrahlenkranzes stehen die vier hebräischen Buchstaben dieses Namens. Das Ganze umgibt ein Kranz silberner Wolken, aus denen Engelsköpfe hervorlugen: die "Putten" des Barock. Es sind unverkennbar Kindergesichter·
Diese "Putten" hatten nicht nur eine ästhetische Funktion. Wenn man unsere alten Kirchenbücher aus vorangegangenen Jahrhunderten aufschlägt, findet man da auf mancher Seite nur Sterbeeinträge von Kindern. In einem Jahrhundert der Säuglingssterblichkeit gaben die "Putten" viel mehr trauernden Eltern eine recht unmittelbare Antwort auf die Frage nach dem Sinn und Ziel des Sterbens ihrer Kinder. Gott hatte diesen Kindern einen höheren Auftrag gegeben. Als Engel sollen sie ihm selbst dienen.
Was alten, sündenbeladenen Menschen nach ihrem Tod kaum mehr zuteil werden kann, ist diesen unschuldigen kleinen Kindern von Gott zugedacht: ein Leben in der Nähe und in der Liebe Gottes.
Ist Annika nun ein Engel? Ich denke, Sie beiden wünschen ihr das und Sie wünschen es sich auch selbst, freilich mit anderen Worten, anderen Vorstellungen; aber sind diese denn so anders als die der Menschen vor uns?
Daß Annika nun geborgen ist, daß ihr ewiger Friede und immerwährendes Glück zuteil wird, daß sie es jetzt gut hat. Sie haben dazu Worte von Saint-Exupery gefunden: Daß Sie nun Sterne hat, die lachen können.
Die Träume von Saint-Exupery sprechen ja die gleiche Sehnsucht aus wie jene alte Vorstellung von den kleinen Engeln, die Sehnsucht nach Geborgenheit und Aufgehobensein, nach Liebe, in der wir leben und glücklich werden. Und das ist ja auch der Wunsch von Eltern, die ihr Kind liebhaben, und die es von sich geben müssen.
Ja, und für Annika hat das ja auch gegolten - trotzalledem. Für die wenige Zeit, die sie lebte, hatte sie das Glück bei Ihnen beiden zu leben als Ihren Eltern. Und umgekehrt, es war ja auch so, daß Sie beiden als ihre Mutter und ihr Vater alles versucht haben, ihr das Leben zu einem Lachen, zu einer Freude zu machen. Von ihrer Krankheit her hat sie es doch schwer genug gehabt. Aber sie hat so ungemein viel Lebenskraft gehabt und auch so viel Lebensfreude; wir konnten es nur bewundern und daran lernen. Ich erinnere mich an die Taufe, an das Kennenlernen zuvor bei Ihnen zuhause; sie beiden haben die ganzen Monate des gemeinsamen Lebens sicher vor Augen - Monate voller Angst, aber viel mehr doch noch voller Leben und voller Lachen auch.
Und diese Kraft ist ja eben nicht von allein gekommen, ich denke, die haben sie sich gegenseitig geschenkt - Sterne, die lachen könne, die gelacht haben! Will heißen: Annika würde Ihnen vielleicht sagen können: Wie schön war es mit euch! So wie sie beiden ja auch sagen möchten: Gut, daß es dich gegeben hat! Wie hast du unser Leben - ja, nicht nur radikal umgekrempelt, nicht nur uns zu ganz anderen Menschen gemacht: zu einer Mutter, zu einem Vater - man sagt da so gemeinhin: zu Vater und Mutter; aber nur Mütter und Väter wissen nun auch, was damit wirklich gemeint ist. Ja, wie hat sie Ihr Leben einfach bereichert und reich gemacht, dadurch, daß sie da war und ihre Sternchen hat lachen lassen. Ja, doch schon hier bei uns ein kleines Engelchen - und so kleine Bengelchenzüge gehören mit zum Leben hier und jetzt.
Wir merken, wie nah uns die Gedanken unserer Vorfahren als Mütter und Väter sind, die ihr Kind wie Sie beiden haben begraben müssen und da haben sie sie eben als Engelchen dargestellt.
Ja, freilich, in ihrer Trauer und in ihrem unsäglichen Schmerz haben sie es so dargestellt. Was können Eltern denn anderes tun, wenn sie ihr Kind begraben müssen. Ich vernute, Sie beiden können jenseits aller Fragen nach dem Warum und Weshalb heute auch nur beten und bitten:
Gott im Himmel, Wenn nun unsere Liebe zu unserem Kind an ihre Grenzen gekommen ist, wenn wir vor Augen haben, daß wir nur noch Abschied nehmen können und aus den Händen geben, wenn unsere Liebe zu ihr nun so nicht mehr sein darf - ja, dann möge ihr nun ein anderes Lachen, eine andere Liebe zuteil werden und sie leben lassen. Das ist unser Wunsch, und das ist auch unser Glaube und unsere Hoffnung; deshalb haben wir Annika taufen lassen, und darum geben wir sie heute in deine Hände.
Uns bleibt die Erinnerung, unsere Dankbarkeit, daß sie bei uns war. Uns bleibt auch der Schmerz, die tiefe Wunde in unserem Herzen, die ihr Tod uns zugefügt hat.
Uns bleibt die Hoffnung - auch wenn wir sie heute kaum ausprechen können - daß Annika nun bei dir geborgen ist und aufgehoben;
und daß auch wir Ruhe finden und Trost und Heilung unseres Schmerzes.
Bevor wir miteinander ans Grab gehen, möchte ich für Annika und über ihrem toten Leib einen Segen sprechen, den Christen lange Zeit vor uns formuliert haben:
Es segne dich Gott, der Vater,
der dich nach seinem Bilde geschaffen hat.
Es segne dich Gott, der Sohn, der in seinem Leiden und Sterben dein Bruder geworden ist und dich erlöst hat in seiner Auferstehung. Es segne dich Gott, der Heilige Geist, der dich zum Leben gerufen und geheiligt hat.
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, geleite dich durch das Dunkel des Todes in sein Licht und gebe dir Frieden und ewiges Leben.
Amen.
Wir gehen nun ans Grab
Es hat Gott gefallen hat, Annika zu sich zu rufen. Und so legen wir nun ihren toten Leib in Gottes Acker, Erde zur Erde ...
Ihr Leben aber befehlen wir Gottes barmherziger Hand. Er nehme sie in sein Reich auf und vollende sie zum ewigen Leben.
Vater unser ...
Der HERR segne und behüte uns, er gebe uns die Kraft, ja zu sagen zu dem, was er uns zukommen läßt, und uns in ihm geborgen zu wissen.
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und seinen Frieden in unser Herz ziehen.
Amen.
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