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Manfred Kunert
über:
kein konkreter bibl. BezugOrt unbek., am 10.12.1995 Anlaß unbek. |
Meine lieben Gläubigen,
wenn wir in diesen Tagen der Adventszeit täglich unsere Roratemessen feiern und wir mehr als sonst im Jahr zur Kirche gehen, dann dürfen wir uns gewiß auch an dieser vorweihnachtlichen Stimmung erfreuen. Doch kann man ihrer auch überdrüssig werden, wenn man in jedem Kaufhaus schon berieselt und gefügig gemacht wird, mehr Geld auszugeben. Um so mehr wollen wir die eigentliche Wirklichkeit einer Eucharistiefeier in uns verlebendigen. Dazu soll folgenden Bericht dienen:
"Es war ein klarer Wintertag. Ich stapfte auf Skiern hoch über der Baumgrenze dem Berggipfel entgegen", so beginnt eine Studentin ein Erlebnis zu schildern, das uns manches zu sagen hat. "Die Sonnenstrahlen trafen mich von allen Seiten. Ich hatte die Sonnenbrille vergessen. Der Schneeblindheit nahe, konnte ich die Augen kaum noch offenhalten, ich war gefangen in den Strahlen der Sonne...
Doch plötzlich - ich wußte nicht, wie mir geschah - sah ich gleichnishaft die Eucharistie wie eine strahlende Sonne. Ich war Protestantin und begann zutiefst betroffen über das Geschaute nachzudenken. Wenn es also doch wahr wäre, was die Katholiken glauben, daß Christus in der Hostie, im Sakrament gegenwärtig ist; dann ist das so ungeheuerlich, daß nur dieser Christus imstande ist, mir seine Gegenwart begreiflich zu machen. Ja, dann müßte ich mich in die Nähe der Eucharistie begeben, mich von dieser eucharistischen Sonne gleichsam anstrahlen lassen. Seine Nähe kann nicht ohne Auswirkung bleiben.
Überwältigt von dieser Erkenntnis fuhr ich augenblicklich die Schneehänge hinab ins Tal mit dem festen Entschluß, das größte "Experiment" meines Lebens zu beginnen: mich so lange in die Nähe eines Tabernakels zu begeben, bis ich erfahren habe, ob die Gegenwart Christi im Sakrament Wirklichkeit sei oder nicht.
Damals studierte ich im zweiten Semester Medizin. Neben den vielen Vorlesungen mußte ich jede freie Minute zur Prüfungsvorbereitung nutzen. Zusätzliche Zeit für Kirchenbesuche blieb mir nicht. So verlegte ich kurzerhand meinen Arbeitsplatz in eine Kirche, die am Weg lag. In der Nähe des Tabernakels, im Dämmerlicht eines Seitenschiffes, saß ich mit dem Anatomiebuch und meinen Skripten auf den Knien und studierte, schrieb auch Briefe. Nur das Stricken ließ ich sein, weil ich ein mögliches Ärgernis für Kirchenbesucher vermeiden wollte. Und dies tat ich durch Monate täglich oft stundenlang. Dabei war ich stets auf meine Arbeit konzentriert, wohl mit einem Auge und Ohr beim Tabernakel. Denn so wie ich auf dem Berggipfel den Sonnenstrahlen, was immer ich tat, nicht entrinnen konnte, war ich hier ausgesetzt der Nähe und Ausstrahlung Gottes. Das mußte genügen. Ich hatte Ihm nichts zu sagen, nichts anzubieten. Alles in mir löste sich in Belanglosigkeit auf, in schweigendes Warten, in Schauen.
Und es geschah: Christus gab sich mir im Sakrament zu erkennen; sein unendliches Lieben, wie er bei uns bleibt bis ans Ende der Zeit und in uns lebt. Meine Freude und Dankbarkeit beantwortete ich mit der Konversion. Seitdem brauche ich nicht zu "glauben", ich weiß es, was für ein großes Geheimnis sich im Messopfer vollzieht. Die tägliche Teilnahme daran ist ein Dürfen, ein Danksagen." Soweit das Erlebnis. (Material aus Betendes Gottesvolk RSK, Wien)
Schaut, meine lieben Gläubigen, welch eine geheimnisvolle Wirklichkeit in jeder Kirche ist, wo ein ewiges Licht brennt. Gott ist uns näher als wir oft denken. Wir wissen es. Doch unser Glaube ist oft nicht lebendig. Wie undankbar sind wir! Wir müssen nicht in diesen und den kommenden Tagen die Kirche gehen, wir dürfen uns geborgen bei ihm in der Nähe fühlen und uns den Strahlen seiner Liebe aussetzen.
Amen.
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