Freitag, der 21. November 2014
Predigt herunterladen als PDF, als Text oder per eMail versenden

Pfr. Michael Schäfer (evangelisch)
über: Hebräer 4, 14-16

Spiesen-Elversberg (bei Neunkirchen/Saar), am 21.02.2010
Invokavit/1. Sonntag der Passionszeit

Eben haben wir die berühmte Geschichte gehört, wie Jesus versucht wurde. Für mich ist ein Kernelement aller drei Versuchungen die sehr menschliche Aussicht, etwas darzustellen, der große Zampano werden zu können – natürlich nur um etwas Gutes zu erreichen.

Was könnte ich nicht alles erreichen, wenn ich nur genug Macht hätte: Menschen satt machen, Frieden schaffen, für Gerechtigkeit sorgen. Jesus schlägt alle diese Angebote aus, weil er den Preis von Macht und Gewalt kennt und weil er Gottes Zusagen glaubt.

Die Gemeinde der Christinnen und Christen hat versucht genauso zu leben, die Erinnerung an Christus und seine Bedeutung für die Gemeinde und jeden einzelnen Menschen angemessen festzuhalten. Da gab es unterschiedliche Sprachbilder. In den Gemeinden in der viele ehemalige JüdInnen lebten wurden viele Bilder des Alten Testaments bemüht:

14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

Der Text beginnt mit einer Ermutigung: Wir haben einen Hohepriester. Der Hohepriester des Alten Bundes war derjenige der den Zugang zu Gott hatte und als Mittler für andere diente. Der Hohepriester des Neuen Bundes öffnet für seine JüngerInnen den direkten Zugang.

Dass beim Tod Jesu der Tempel des Vorhangs in zwei Teile zerriss ist ein Symbol dafür. Dadurch, dass Jesus als Sohn Gottes die Menschen besucht hat, brauchen wir keine Mittler mehr, keine Priester und keinen Zauber. Das Wunder ist Wirklichkeit. Jede(r) kann vor seinen Gott treten und mit ihm reden und mit ihm das Mahl feiern.

Dieser Hohepriester Jesus Christus ist darin wahrer Mensch, dass er fähig ist, mit den Menschen und an den Menschen zu leiden. Und dass er trotzdem an seinem Auftrag und seinem Vater festhält. Und er ist Gott darin, dass er in Allem ohne Sünde bleibt. Ohne die Sünde, die uns von Gott trennt.

Wir neigen ja manchmal dazu, Sünde banal zu machen, in dem wir Alles mögliche Sünde nennen. Jedes Stück Torte zu viel, jede Geschwindigkeitsüberschreitung. Aber im eigentlichen Sinne meint der alte Begriff Sünde alles, was uns von Gott trennt. Darum darf Suche nach Sünde nie mit allen Fingern auf Andere zeigen, sondern muss bei jedem selber anfangen. Ich muss erkennen, was es ist, das mich von Gott trennt, warum ich so oft meine, ich könnte alles selber regeln, selber in den Griff bekommen und erst dann Hilfe bei Gott suche, wenn ich versagt habe.

Und wenn ich mich dann schlecht fühle, dann ist Jesus immer noch bei mir. Er geht mit mir und er kann mit mir leiden. Das Mit-Leiden gehört zu seinem Wesen. Der Hohepriester ist Hohepriester dadurch, dass er mitleiden kann.

Der Imperativ Vers 14 'so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis' beinhaltet einen fröhlichen Unterton des Weitermachens. 'Was haben wir denn zu verlieren, wenn wir diesen Hohepriester haben?' Wir dürfen weitermachen. Wir dürfen, wie Martin Luther es gesagt hat, tapfer weiter sündigen, weil wir geliebt werden und aus dieser Liebe täglich neu leben können.

Ich darf mich an Versuchung erinnern, in die ich geraten bin und aus denen ich nicht unbeschädigt herausgekommen bin. Ich darf mich erinnern und beten: Führe mich nicht in die Versuchung oder wie eine Frau das mal umgedichtet hat: 'Bewahre mich in der Versuchung'. Das war für sie logischer.

Wichtig bleibt, dass wir einen Hohepriester haben, der wirklich mit uns gehen will. Er war für uns Sohn Gottes, Licht der Welt und Vorbild für unser Handeln. Das was er uns vorgelebt hat, will den Menschen nicht eingrenzen, sondern will ihn befreien zur Liebe. Er bleibt frei, sich zu entscheiden. Diese Freiheit hat aber auch schmerzliche Grenzen, nämlich die Erfahrung, dass es nicht immer gelingt, der Versuchung standzuhalten und in der Nachfolge Jesu so sündlos zu bleiben wie der Herr. Wir können nur unser ganzes Leben lang an uns arbeiten, besser zu werden.

Dafür haben wir den direkten Zugang zu Gott. Ihm können wir unsere Fehler bekennen. Ihn können wir bitten, Verbindung zu uns zu halten. Ihm können wir Menschen anbefehlen, um die wir Angst haben.

Wir dürfen zu ihm gehen, mit ihm reden in unseren privaten Minuten, mit ihm reden in unseren öffentlichen Gottesdiensten im Vertrauen darauf, dass er uns zuhören will und uns helfen will. Er hat mit seinem Leben von der Liebe Gottes erzählt. Zu ihm dürfen wir uns bekennen.

Jesus Christus ist der wahre Hohepriester. Ihm ist dieses Amt mit der Taufe (mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe) zugesprochen – und er hat es erfüllt, frei von aller Schuld, hat der Versuchung standgehalten und für die Seinen und an den Seinen gelitten. Darin erweist sich die Solidarität als Zeichen seiner Kindschaft Gottes und gleichzeitig das 'sitzend zur Rechten Gottes', wie wir im Glaubensbekenntnis bekennen. Auch das ist ein Bild aus anderen Zeiten, als der Berater zur Rechten des Herrschers saß. So haben sich die Menschen einen himmlischen Thron vorgestellt wie die Throne, die sie kannten. Mit dem Bild können wir vielleicht wenig anfangen, aber mit der Sache: Jesus Christus ist ganz dicht beim Vater und lebt mit ihm die Liebe zu den Menschen.

Durch Jesus Christus haben wir einen direkten Zugang zu Gott. Wir brauchen keine Priester und keine Heiligen mehr. Sie können uns aber helfen, diesen Christus und sein Wesen zu verstehen. Sie können uns helfen, unser Heil zu ergreifen und Gott zu lieben. Sie können uns helfen zu verstehen, was uns manchmal zu hoch erscheint, aber den Zugang zu Gott haben wir direkt und ohne Umwege. Wir können aus unserem Glauben heraus Gott bitten und mit ihm reden. Wir dürfen aus seiner Liebe heraus unser Leben, und unsere Gemeinde neu gestalten.

Amen

© Michael Schäfer 2010

Weitere Predigten
 von: Pfr. Michael Schäfer 
 zu: Invokavit/1. Sonntag der Passionszeit 
 über: Hebräer 4  
Predigt im PDF-Format herunterladen
Predigt als Textdatei herunterladen
Predigt als Doc-Format für den PalmPilot
Predigt als eMail versenden

 

Powersearch  Die Bibel  Startseite  NEPOMUK  Impressum  Zurück